WENN ES BEIM WINTERKOBOLD FRÜHLING WIRD (Buchrezension)

* Weiche weiße Schneedecken legen sich über Natur und Städte, so dicht, wie wir sie schon seit Jahren nicht mehr hatten – die zarten Flocken glitzern in der Sonne. Große Eiszapfen hängen glänzend von Hausdächern herab, überall dort, wo Wasser in klirrender Kälte zu tropfen versuchte.

Er hat sich so richtig ausgetobt in den vergangenen Tagen. Der Winterkobold. Kein Wunder, dass er jetzt müde ist. Schrecklich müde.

Doch er erwartet Besuch. Wie gut, dass ihm der Dachs, der Fuchs und der Bär bei den Vorbereitungen helfen. Mit dem Buch „Der Winterkobold“, geschrieben von Sabine Engel und illustriert von Annett Wolf, dürfen auch wir einen Blick in sein gemütliches Häuschen werfen. Dorthin, wo die vier Freunde noch schnell gemeinsam Plätzchen backen und schon einmal warmen Kakao an den Tisch bringen.

Seltsamer Geruch gibt Rätsel auf

Doch irgendetwas stimmt nicht. Dieser seltsame Geruch. Wo kommt der bloß her?
Vielleicht sind es die Stiefel, mit denen der Winterkobold am Vortag ins Eis einbrach, beim Spaziergang am Teich. Oder besser: darauf. Vielleicht ist es die Forelle, die ihm der Bär am Morgen vom Angeln am Bach mitbrachte. Vielleicht kommt es aus dem Bad, wo der Fuchs auf der Toilette sitzt.

Nein. Die Schuhe sind frisch, der Fisch ist es ebenso – ab damit in den Kühlschrank. Und das Fenster über dem Klo ist weit geöffnet. Was riecht hier nur so merkwürdig?
Plötzlich fällt dem Kobold mit der markanten Nase, den flauschigen Ohren und dem winterweichen Fell etwas ein.

Ein ganzes Buch folgt einem Reim

An (fast) nur einem Tag hat Sabine Engel diese Geschichte in Reimen aufgeschrieben. Im vorletzten Winter. Als der damals vierjährige Sohn der Oderwitzerin immer wieder Schnee essen und an Eiszapfen lecken wollte, war der erste Vers gesprochen. Die übrigen folgten rasch, denn einmal dabei, könne sie eben nicht wieder aufhören, so die 40-Jährige.

Die Mutter dreier Jungen ist eigentlich gelernte Zahnarzthelferin und aktuell in der Kundenbeteuung eines Telekommunikationsunternehmens tätig. Die Liebe zum Schreiben begann in ihrer Kindheit. In der Schulzeit schrieb Sabine Engel ihre ersten Gedichte. Und reimt, seit sie Mama ist, immer wieder auch in alltäglichen Situationen für ihre Kinder.

Ebenfalls alltagstauglich ist die Geschichte des Winterkobolds, mit der sich die Neu-Autorin nun, von ihrem Mann dazu ermutigt, ihren Traum vom ersten eigenen Buch erfüllt hat.

Botschaft von Freundschaft und Zusammenhalt

Die Verse sind übersichtlich und in leicht verständlicher Sprache gehalten, die Reime klar. Und somit auch für die allerkleinsten Zuhörer verständlich. In liebevollen Worten erschafft Sabine Engel die Charaktere und begleitet sie durch die Geschichte. Von kleinen Abenteuern, Freundschaft, der großen Fähigkeit sich Fehler einzugestehen und Hilfe anzunehmen, und dem Erkennen und Schätzen der eigenen Möglichkeiten und Grenzen.

Zwischendrin lehrende Botschaften. Von denen uns mindestens eine mit allzu erhobenem Zeigefinger daherkommt. Als dem eigentlich klugen Fuchs vom Schnee- und Eisnaschen der Bauch schmerzt und sich der Kobold über dessen folglichen Klogang ärgert. Schließlich weiß ein jedes Kind, dass solches Mahl nicht wohl bekömmlich ist.
Nun, mag sein.

Wir würden den Fuchs dennoch eher achtsam und auf Augenhöhe in seiner Neugier begleiten. Und ihn davon überzeugen, dass Schnee und Eis wunderbar zum Spiel taugen, Obst, Gemüse und dergleichen zum Essen. Bei Bauchweh nähmen wir ihn in den Arm, erklärten, trösteten. Und sind fest davon überzeugt, dass er den Schneeball beim nächsten Mal eher werfen als wieder mit der Gabel zum Verzehr aufpieksen würde.

Dennoch ist klar, Kobold, Fuchs, Bär und Dachs halten trotz einiger Hürden zusammen und begrüßen den willkommenen Gast mit entspanntem Kaffeekränzchen.

Detailreiche Illustrationen schaffen lebendige Charaktere

Die Figuren sind von Illustratorin Annett Wolf in einer Mischtechnik mit Buntstiften und Guoache-Farben von Hand überaus detailliert gestaltet worden und in ihren Emotionen ausdrucksstark – beim vorfreudigen Tischdecken, beim Nasenrümpfen ob des Gestankes, bei der herzlichen Begrüßung des Besuchers, beim entspannten Frühlingssonnen, beim sehnsuchtsvollen Wiedersehen des Kobolds nach drei verschlafenen Jahreszeiten. Gleichzeitg sind die Charaktere einfach gehalten, im Guten. Sie überfordern nicht an Variabilität. Sie sind von Szene zu Szene klar zu erkennen, die Bilder als Ganzes nicht überladen.

So können durchaus auch die kleinsten Buchentdecker die Geschichte verfolgen. Die Älteren tauchen bei jedem (Vor-)Lesen tiefer ein in die fantasievoll und aufwendig gezeichneten Kleinigkeiten, die die Handlung begleiten. Was steht da alles auf dem Tisch? Welche Kleidung tragen die Protagonisten drinnen und draußen, im Frühling und Winter? Und hat Annett Wolf, Haus-Illustratorin des Oberlausitzer Verlages und Mutter einer jugendlichen Tochter, die Schneeflocken und Eiskristalle, die von der Innenseite des Einbandes in die Geschichte führen, nicht auch auf den Teppich, in den Kühlschrank, auf die Decke und das Kobold-Kissen rieseln lassen?

Neugierige Winterlinge purzeln kreuz und quer durch die Geschichte

Oder sie zählen die putzigen Winterlinge. Die kleinen weißen Wesen kommen wie eine Mischung aus winzigem Eisbär und Katze daher. Und springen, schleichen oder flitzen durch beinahe jedes Bild, tollen zwischen Tellern und Tassen über den Kaffeetisch, spielen mit abgerolltem Toilettenpapier und schauen sich im Kühlschrank um. Nur als der Winterkobold Frühlingsschlaf hält, sind auch sie verschwunden. Um auf der nächsten Seite wieder vergnügt durch den Schnee zu purzeln.

Frühlingsfee, Sommerelfe und Herbstgnom warten auf ihre Jahreszeiten

Einen Hinweis darauf, wie die Abenteuer der Freunde während des Kobold-Schläfchens weitergehen könnten, liefert die Frühlings-Doppelseite. Mit kurzbeärmeltem Fuchs und Dachs, Bär in Sommerhemd, kurzer Hose und Sandalen.
Ganz abwegig ist es nicht, hier noch einmal näher hinzuschauen. Denn in der Zwischenzeit hat Sabine Engel Texte zu den drei weiteren Jahreszeiten gereimt. Mit Frühlingsfee, Sommerelfe und Herbstgnom in den Hauptrollen. Die Manuskripte liegen dem Verlag vor, die Herausgabe ist abhängig vom Erfolg des Winterkobolds.
Nun, vielleicht lässt er uns Schnee und Eis ja noch ein Weilchen – für gemütliche Lesemomente in Winterkobolds warmer Stube.

Der Winterkobold
Sabine Engel, Annett Wolf (Illustratorin)
Altersempfehlung: ab 3 Jahren
Hardcover, 24 Seiten
20,0 x 26,3 cm
Oberlausitzer Verlag
23.11.2020
ISBN: 978-3-946795-48-3
16,95 Euro

Fotos: Anja Jürges/STADT LAND WELTentdecker
Cover: Copyright © Sabine Engel, Copyright © Illustrationen Annett Wolf, Copyright © Oberlausitzer Verlag

* Für den Beitrag wurde uns ein Rezensionsexemplar des Buches „Der Winterkobold“ zur Verfügung gestellt, er ist demnach Werbung. Der Text ist unbezahlt und zeigt lediglich unsere Erfahrungen und Meinung. DANKE für das Buch, deine große Mühe mit dem Versand während der Zeit der Schneemassen und die herzliche Kommunikation, liebe Sabine! ♡

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18 Kommentare

  1. Hallo,
    das klingt aber nach einem süßen Buch! 🙂 Wir mögen Kobolde in allen Varianten – die kommen bei den Kindern immer gut an. Und Bücher in Reimform mag ich persönlich besonders gerne. Danke für die schöne Buchvorstellung 🙂
    Liebe Grüße, Lisa

  2. Das klingt wirklich schön und die Geschichte der Entstehung ist auch irgendwie besonders. Da kommen dann auch mal andere Kleinkinderbücher raus, als immer wieder Conny und Jakob, wenn mal ein „Newbie“ dran ist. 😀

  3. Das ist doch endlich mal wieder eins von diesen Büchern, die sowohl Kindern als auch Erwachsenen Spaß machen. Ich jedenfalls freue mich schon auf die Lektüre und bin sehr gespannt. Danke für den Tipp. Schon das Cover ist sehr ansprechend, finde ich.
    LG Renate von Trippics

    • Liebe Renate,
      mich hat tatsächlich auch das Cover neugierig gemacht auf das Buch. Darin setzen sich die liebevoll gestalteten Illustrationen fort.
      Wir wünschen dir schon einmal viel Freude beim Lesen und Entdecken und freuen uns, von dir zu lesen, wie dir das Buch gefallen hat.
      Herzlichen Gruß
      Anja

  4. Hi, danke für diese Buchvorstellung. Ich kenne das Büchlein nicht, mag aber fantastische Geschichten, in denen Tiere vorkommen sehr. Was ich auch nicht mag – und da danke ich dir für den Hinweis!! – ist der erhobene Zeigefinger. Viel schöner finde ich Geschichtenerzähler, die es hinkriegen, dass Kinder selbst etwas merken und es dann anregen. Aber darin liegt ja auch die Kunst 🙂

  5. Liebe Anja,

    Bücher in Reinform gehen doch immer, finde ich. Optisch sieht das Buch ja schon super süß aus und so ein Winterkobold ist bestimmt ein putziges Kerlchen. Wichtig sind mir bei Vorlesebüchern ja immer die Illustrationen. Aber du schreibst ja, dass diese toll und super detailliert sind.
    Was mich aber gerade begeistert, dass ist der Verlagsname 🙂 Ich komme ursprünglich aus der Oberlausitz und habe doch noch nie von dem Verlag gehört. Muss ich unbedingt mal stöbern gehen.

    Liebe Grüße
    Mo

    • Das ist ja spannend und ein schöner Zufall, liebe Mo. 🙂 Schau dich gern mal um bei dem kleinen Verlag.
      Die Illustrationen sind uns bei Vorlesebüchern auch sehr wichtig und in diesem Fall hat mich das liebevoll gestaltete Cover neugierig gemacht.
      Herzlichen Gruß
      Anja

  6. Die Geschichte klingt ja echt süß! Wobei ich nicht mal sicher bin, ob ein Fuchs von Obst und Gemüse nicht doch Bauchschmerzen bekommt und ihm ein saftiges Steak nicht besser bekommen würde. 😉 Aber schon als Kind mochte ich Reime nicht besonders. Ich habe unglaublich gerne gelesen, aber das mussten schon „richtige“ Geschichten sein. Aber das macht nichts, wenn die Geschichte schön ist und euren Kids gefällt, ist das ja das wichtigste.

  7. Hi Anja,
    was für eine tolle Idee für ein Kinderbuch!
    Ich habe nicht so den Überblick über Kinderbücher, doch dass es in Reimform geschrieben ist finde ich außergewöhnlich.
    Danke für die super Vorstellung.
    Ich freue mich schon darauf meinem Patenkind dieses Buch vorzulesen, ist bereits im Einkaufswagen;-)
    LG
    Stephan

  8. Hallo,

    ein richtig süßes Buch und das nicht nur vom Cover. Was ich schön schick gemacht finde. Sondern auch die Geschichte. Damit kann man den kleinen schön was gute tun. Danke für die schöne Vorstellung.

    Liebe Grüße
    Julia

  9. Ich vermisse es mit meinem kleinen Neffen solche Bücher gemeinsam zu lesen. Der hätte bestimmt Spaß daran. Danke für die Buchvorstellung, das Cover ist nämlich auch super ansprechend.

    Lg,
    Julia

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