ELEFANTEN HERZLICH EINGELADEN (Buchrezension)

* Gelöscht scheint der „Elefant“ aus dem Wortschatz unseres Kindes. „Da! Ein Moki!“, ruft es stattdessen freudig-nervös, sobald es eines der grauen Rüsseltiere erblickt. Seit wenigen Wochen kommt das oft vor. Sehr oft. Wir treffen Mokis in sämtlichen Büchern und im Zoo, sie stapfen durch unsere Küche und begleiten uns auf unseren Spaziergängen. Wirklich.

Moki will ein Vogel sein

Mit unseren neuen großohrigen Freunden erleben wir inzwischen allerlei Abenteuer. Angefangen hat alles mit Moki. Dem kleinen Elefanten, der viel lieber ein Vogel wäre. Denn dann könnte er fliegen. Mit dem Buch „Moki träumt vom Fliegen“ begleiten wir ihn auf seiner Suche nach einer Möglichkeit, seinen Traum zu leben.

Denkbar einfach scheint die Lösung.
Ein Laufrad und zwei Flügel sind schnell gebaut. Ebenso eine hölzerne Rampe, dicht an den Hügel gezimmert. Und, ganz klar, ein Schnabel muss her. Den Rüssel unter einem zylindrischem Hütchen versteckt, geht es rauf auf den Berg. Und rollend hinunter. Holterdipolter über die Piste und – tatsächlich – ab in die Luft. Moki fliegt.

Doch leider nur kurz. Hart ist die Landung – der Schnabel geknickt, die Hand verletzt, die Flügel zerfetzt, das Laufrad verbogen. Mit hängendem Kopf und großen Kullertränen in den betrübten Elefantenaugen macht sich Moki auf den Heimweg. Sein Traum wirkt plötzlich unerreichbar.

Die Lösung: Freundschaft und gegenseitige Hilfe

Doch was war das? Rummsdipumms, reißt ein lauter Knall Moki aus seiner Enttäuschung und tiefen Verzweiflung. Ein kleiner Vogel liegt verletzt unter einem Baum. Den hat er im Flug nicht gesehen.

Eis zum Kühlen, viele Pflaster und ein großes Stück Schokolade – Moki hilft sofort. Dank liebevoller Pflege ist sein neuer rotgefiederter Freund schon bald bereit für seinen nächsten Flug. Wehmütig blickt Moki ihm hinterher. Doch Piep, der Piepmatz, kehrt zurück. In großer Gesellschaft. Was die Vögel wohl im Sinn haben?

Geschichte vom Fliegen und Fallen

Mit Leichtigkeit und jeder Menge Feingefühl schafft Anatol Schulz eine zauberhafte Geschichte von (fast) geplatzten und gelebten Träumen, vom erfüllenden Gefühl zu helfen und Hilfe zu empfangen, von Mut – zum Fliegen und zum Fallen – und der oft langwierigen Suche nach unserem Platz im Leben.

Als Ollie kam der Elefant zum Autor

Hineingestapft ist Moki – damals noch als Ollie – bereits 2017 in das Leben des gelernten Designers, der mit seiner Familie im Leverkusener Stadtteil Opladen wohnt. Im Zuge eines „OnePagePerDay“-Projektes in den sozialen Medien veröffentlichte der inzwischen zweifache Papa gut drei Jahre lang jeden Tag ein Bild – darunter zwei eines Elefanten, der gern ein Vogel wäre.
Mit der Geburt seines ersten Kindes Miko im Oktober 2018 wuchs der Wunsch, ein eigenes Kinderbuch zu gestalten. Die grobe Idee bereits im Kopf, schrieb Anatol Schulz, der jüngste von sechs Söhnen eines Grafik Designers und einer Buchhalterin, die Geschichte dazu in einer Nacht im Februar 2020 auf. Nun dauerte es noch einmal acht Monate bis zur Veröffentlichung des fertigen Buches, eine Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung des Druckes der ersten Auflage inklusive.
Durch einen Buchstabendreher hat Anatol Schulz‘ Neffe aus Ollie übrigens Moki gemacht – so nannte der Junge seinen Cousin Miko.

Natürliche Sprache und unverkrampfte Reime

Die ungezwungene Sprache der Geschichte sowohl in reinen als auch in unreinen Reimen und unterschiedlichen Reimformen, in variierender Verslänge und -anzahl, lässt den Text niemals gestelzt klingen. Eher fühlt es sich an, als würde uns der Autor selbst just im Moment des Lesens von Mokis Abenteuer erzählen.

An sehr wenigen Punkten wünschen wir uns dennoch mehr Feinheit, wenn „nein – sein – nein“ den Reim bildet oder ein Absatz mit „was geht“ endet und der folgende mit „Los geht’s“ beginnt.

Typografisch ist der gesamte Text in Großbuchstaben gehalten. Was sich hier gut in das Layout fügt. Da sich auf jeder Seite nur wenige Zeilen finden, ist die Schrift noch gut lesbar. Besonders Leseanfänger können deshalb an dieser Geschichte prima üben. Für längere Texte empfinden wir eine Mischung aus Groß- und Kleinbuchstaben als angenehmer zu lesen und einfacher zu erfassen.

Text und Illustration aus einer Hand

Es liegt auf der Hand, dass die Illustrationen ebenfalls von Anatol Schulz stammen. Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich der 32-Jährige beruflich mit Grafik Design, Illustration und Animation. Für eine Kölner Digitalagentur bildet er Mediengestalter aus, erstellt Logos und Konzepte, zeichnet Storyboards und führt in Filmen Bild und Ton zusammen. Mittel der Wahl sind dabei Kugelschreiber, Aquarell, Acryl und digitale Gestaltung.

Mit letzterer sind schließlich auch Mokis Bildwelten entstanden – digital auf dem iPad mit Procreate. Die Illustrationen wirken dennoch wie handgemalt, von der Struktur her wie auf Leinwand gezeichnet.

Detailreiche Zeichnungen transportieren eigene Botschaften

Wenngleich Protagonisten und Schauplatz äußerst klar gestaltet und damit selbst für die allerkleinsten Zuhörer gut zu erfassen sind, gibt es innerhalb eines jeden Bildes unzählige Details und liebevoll arrangierte Kleinigkeiten zu entdecken, die für sich leise Geschichten erzählen.

So gleicht keiner der durchaus vielen Vögel am Himmel dem anderen – hat einer nicht sogar einen Moki-Schnabel? Als der fröhliche Elefant stürzt, ist in die Wiese unter ihm – nur bei genauem Betrachten erkennbar – „ohoh“ gemäht. Als er den verletzten Vogel findet, kriechen, krabbeln und fliegen Käfer, Schmetterling, Ameise und Biene durch den dunkelgrauen Schatten der Gräser um ihn. In den tränenglänzenden Elefantenaugen spiegelt sich das Rot und Grün der Umgebung.

Die freundlichen rotkappigen Pilze, die Moki durch das gesamte Buch begleiten, schaffen eine zusätzliche Erzählebene, die so sehr für sich spricht, dass es keiner weiteren Worte bedarf. Sie bauen mit ihm am Hang für seinen ersten Flugversuch, halten das Sprungtuch, als er fällt, trösten, bringen den Verbandskoffer zur Rettung des Vogels oder ruhen sich einfach auf seinem großen warmen Rücken aus. So geht Freundschaft.

Die oftmals doppelseitigen Bilder erzählen noch mehr als nur die Handlung. Sie transportieren Zuversicht, Mut, Trübsal und das überbordende Glücksgefühl verwirklichter Herzenswünsche.

Marke Moki

Mit seinen großen neugierigen Augen, dem gebastelten rotstreifigen Hütchenschnabel, der leuchtendroten Latzhose und gleichfarbiger Kappe und seinem grünen Laufrad findet ihn gewiss jeder, einmal gesehen, in einer Herde Bilderbuchelefanten schnell wieder.
Moki hat das Zeug zur Marke.

Aufwendig gestaltetes und stimmiges Gesamtpaket

Die Gesamtgestaltung und allerlei Zusatzmaterial tun ihr Übriges. Das Buch ist klimaneutral auf Recyclingpapier in Deutschland gedruckt, die Bindung mit Fadenheftung ist hochwertig und in Kombination mit dem festen, griffigen Papier können hier auch schon die Kleinsten, die gerade von Pappe- zu Bilder- und Vorlesebuch wechseln, eifrig mitblättern. Geliefert wird das Buch nicht einfach in brauner Pappe, sondern in handbemalter Buchhülle – Moki hilft beim Öffnen. Eine Postkarte und ein Aufkleber mit Motiven aus dem Buch liegen bei, ein Mitmachteil zum Ausmalen, Rätseln, Fehlersuchen und Nach-Zahlen-Malen findet sich auf den letzten Seiten des Buches. Über eine optional bestellbare Widmung, die Anatol Schulz auf Wunsch nachträglich in das Buch zeichnet, ist dasselbe zudem personalisierbar.

Weitere Moki-Abenteuer sind in Arbeit

Und wer wissen möchte, womit so ein kleiner Elefant sonst seine Tage verbringt, kann sich bereits auf weitere Abenteuer freuen. „Moki mampft Mangos“ lautet der Titel des Folgewerkes. Die Geschichte ist erzählt, die Bilder sind gemalt – Veröffentlichung in Kürze.

Wir befreien unterdessen eine Mango von ihrer rotorangen Schale, schneiden die saftiggelbe Frucht in elefantentaugliche Stücke und stellen sie auf den Küchentisch. Es duftet herrlich fruchtigsüß. Und wir warten auf rüsseligen Besuch.

Moki träumt vom Fliegen
Anatol Schulz (Text und Illustration)
Altersempfehlung: 2 bis 5 Jahre
Gebundene Ausgabe, 48 Seiten (inkl. großem Mitmachteil)
29,7 x 21 cm
Anatol Schulz Verlag
5. Oktober 2020
ISBN: 978-3-9822417-0-8
14,00 Euro

Fotos: Anja Jürges/STADT LAND WELTentdecker
Cover, Illustrationen: Anatol Schulz

* Für den Beitrag wurde uns ein Rezensionsexemplar des Buches „Moki träumt vom Fliegen“ zur Verfügung gestellt, er ist demnach Werbung. Der Text ist unbezahlt und zeigt lediglich unsere Erfahrungen und Meinung. DANKE für das Buch und die unkomplizierte und herzliche Kommunikation, lieber Anatol! ♡

Weitere Buchentdeckungen findet ihr hier.

8 Kommentare

  1. Liebe Anja,
    Das klingt nach einem wundervollen Kinderbuch. Ich liebe Elefanten total. Ich finde es immer faszinierend, dass sie so groß und schwer sind und man sie im Busch dennoch überhören und übersehen kann. Dass das Kinderbuch mit einer einfachen und schönen Sprache und den tollen Zeichnungen daher kommt, ist ein großes Plus. Wieder mal ein schöner Tipp von dir.
    Liebe Grüße von Miriam

    • Liebe Miriam,
      hier ist das Buch jedenfalls äußerst beliebt.
      Den leisen Gang der großen Elefanten haben wir übrigens im Zoo auch bereits bestaunt, du gewiss bei einer deiner Safaris!? – Wirklich faszinierend.
      Herzlichen Gruß
      Anja

  2. Ach das klingt niedlich. Bei fliegenden Elefanten muss ich natürlich sofort an Dumbo denken…
    Schön ist, dass es klimaneutral gedruckt ist und das es auf den Bildern so viel zu sehen gibt!

  3. Hallo,

    das sieht nach einem schönen Kinderbuch aus. Tolle Grafiken die auch Spaß machen. Man hat so auch viel Spaß und kann so auch zur Geschichte was erleben und sehen. Schön gemacht für die Kinder.

    Liebe Grüße
    Julia Cooking by Love

  4. Hach wie schön! Ich darf nur gar nicht zu sehr hinschauen, sonst liegt das Buch schneller in meinem Warenkorb als ich gucken kann! Ich liebe niedliche Kinderbücher mit tollen Storys! Wäre auch was für die Arbeit in der Therapie, da kann man bestimmt toll die Bilder besprechen und die kurzen Texte lesen! Hach, vielleicht kaufe ich es mir doch … wenn man Therapieschrank nicht schon aus allen Nähten platzen würde!

    Liebe Grüße
    Jana

    • Liebe Jana,
      das Buch wäre vermutlich wirklich gut geeignet für deine Therapien – die Textpassagen sind übersichtlich und die vielen kleinen Details rundherum laden zum Entdecken und drüber Reden ein. Zu den Pilzis könntest du dir mit deinen kleinen Patienten ganze Geschichten erzählen.
      Herzlichen Gruß
      Anja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.