KLETTERN UND TOBEN IM SUPERLATIV

Schneller, höher, weiter – für den Spielplatz im Florapark im Norden Magdeburgs ist das untertrieben. Genau das Richtige für unser abenteuerliebendes Kind, dachten wir. Doch leider ist hier auch einiges gefährlicher oder überhaupt: gefährlich. Ein Wort, das nicht im Zusammenhang mit einer öffentlichen Freizeitfläche für Kinder und Jugendliche stehen sollte. Mit entsprechend aufmerksamer Begleitung und einer doppelten Portion Achtsamkeit ist aber auch hier Freunde an Bewegung und gemeinsamem Spiel ganz ohne Verletzungen möglich. Wir haben es geschafft.

Spielplatz inmitten Magdeburgs jüngster Parkanlage

Aber zurück zum Anfang.
Wir erreichen den Florapark über den Holzweg, kurz bevor dieser auf den Olvenstedter Graseweg trifft. Den Holzweg säumt eine Kirschbaumallee, die im Frühling ein herrliches rosa Dach über den angrenzenden Geh- und Radweg spannt. Der Weg bildet eine Nord-Süd-Achse durch den Park. Im westlichen Teil laden verschiedene Themengärten zu entspannten Spaziergängen ein. Der östliche Bereich ist mit Spielplatz und Rodelberg für Aktivitäten vorgesehen.

Der ehemalige Bördegarten ist einer der jüngsten Parks Magdeburgs. Zwischen 1987 und 1994 wurde er als grüne Verbindung zwischen zwei Neubaugebieten angelegt, die kurz zuvor entstanden waren. Den Bewohnern der Stadtteile Neu Olvenstedt und Neustädter Feld sollte der Park eine Möglichkeit zum Aufenthalt in der Natur bieten.

Spielmöglichkeiten für die Kleinsten sehr begrenzt

Den wir vom großen Spielsandbereich aus betreten. Hier finden locker Kinder mehrerer Kitagruppen Platz zum Buddeln, Sandkuchen backen, Burgen bauen. Zwei Wipppferde warten schon auf ihren Ausritt, ein Bagger auf das nächste Bauprojekt. Eine kleine Rutsche ist für die Jüngsten vorgesehen. Der Aufstieg sollte allerdings gut begleitet werden, denn die Betonstufen hinauf sind von keinerlei Geländer begrenzt – wer hier fällt, landet auf einem harten Pflastersteinwall. Ebenso der nahegelegene Kletterturm mit Sandspiel-Eimer am Kettenzug und Sandrad ist für die Kleinsten nur mit Hilfe zu besteigen. Der Sprossenabstand der Leiter ist immens.

Vorsicht, Rutsche!

Über alles hinaus ragt der hohe Rutschenturm, der von der Form her an eine Rakete erinnert. Drauf und dran abzuheben. Hinauf geht es entweder über mehrere Treppen oder über riesige Steine kraxelnd. Eine schöne Idee für (nicht allzu) kleine und große Kletterer.
Oben angekommen, fällt ein Hinweisschild in den Blick, welches die Benutzung der Röhrenrutsche Kindern ab sechs Jahren empfiehlt. Aufgrund der Bauweise des Turmes ist es jüngeren Kindern kaum ohne Unterstützung möglich zum Rutschenstart zu gelangen. Nur mittels Kletterstange geht es auf eine erste Ebene, eine kleine Leiter führt ganz nach oben.

Gut so, wie wir im Gespräch mit einer anderen Besucherin des Spielplatzes erfahren. Sie erzählt, dass der Zugang zur Rutsche vor einigen Jahren umgebaut worden ist. Vorher passierten regelmäßig Unfälle, oft mit Knochenbrüchen. Kein Wunder, denn nur ein wenig steiler und wir rutschten im freien Fall. Kleinere Kinder würden hier ob der Geschwindigkeit schlichtweg nach unten aus der Rutsche geschleudert werden.

Müllberge und Schmierereien mindern Entdeckerfreude

Leider ist der Turm zudem völlig verdreckt. Müll und halbvolle Getränkebehältnisse liegen herum, es riecht nach Alkohol und gegorenem Saft. Uns zieht es auf die Freifläche hoch oben auf dem Berg, von der aus ein guter Überblick über den östlichen Park gegeben ist. Und bei Schnee ein wunderbarer Ausgangspunkt für Schlittenfahrten.

Auch am Fuße des Rutsch- und Rodelberges kann geklettert werden. In Betonplatten sind Gespenster und Weltallwesen eingearbeitet, die aufgrund der vollflächigen Farbrandale nur mit viel Fantasie und Wohlwollen erkennbar sind. Die Klettergriffe sind zum Teil so stark beschädigt, dass scharfe Kanten Kinderhände verletzen könnten. Schade.

Mit wackeligem Flieger ins Weltall

Nun, wir versuchen es mit der Hängebrücke. Die ist zwar tatsächlich schon weit entfernt von frisch, aber ebenso wenig morsch. Also rauf und rüber. Herrlich wackelig. Genauso das kleine blaue Flugzeug, mit dem wir zu fernen Planeten fliegen. Ein beinahe kugeliges Großraumnetz ist unser Jupiter, den wir beklettern. Mit einem weiten Sprung schaffen wir es zum Saturn. Die Seilnetzkonstruktion ist über eine Strickleiter zugänglich und drehbar. So zumindest die Theorie. Mit einiger Anstrengung und lautem Geknartsch setzt sich unser träger Planetenring in Bewegung.

Dem Kind ist es ungeheuer. Uns auch. Vertrautes muss her: Schaukeln. Auch diese sind hier überdurchschnittlich hoch und schwingen durch die langen Ketten wunderbar weich. Taumelig, zumindest bei der WELTentdecker-Mama ist das die gängige Schaukel-Nebenwirkung, ruhen wir uns im Amphitheater aus. Die tribünenartige Bankkonstrunktion bietet Raum für Rollenspiele, zum Klettern oder für ein Picknick. Uns ist es dafür – hier und da Müll und Flecken unbekannten Ursprungs – allerdings zu uneinladend. Wir warten lieber auf wärmeres Wetter und legen uns dann eine Decke auf die Wiese.

Spielplatz mit dringendem Sanierungsbedarf

Die im Jahr 1994 angelegte und 2006 teilsanierte Spiel- und Freizeitfläche hat mit der großen Entfernung zu Straßen und dem Kletter-, Rutsch- und Rodel-Berg durchaus Potential. Müsste aber umfassend überarbeitet werden – hier stehen nicht nur Farbanstriche an, um den Platz freundlicher zu gestalten, sondern dringende Reparaturen und die Beseitigung von offensichtlichen Gefahrenquellen.

Wir behalten den Spielplatz gern im Blick und kommen wieder, wenn es soweit ist. Nicht früher.

Der Beitrag ist Teil 10 unserer Spielplatz-Serie.
In lockerer Folge möchten wir euch die Spielplätze vorstellen, die wir in Magdeburg und auf unseren Reisen entdecken.

Welche sind eure liebsten Spielplätze? Schreibt es uns. Sofern wir vor Ort sind, kommen wir gern vorbei und berichten von unseren Erlebnissen.

Noch mehr Spielplätze findet ihr hier.

6 Kommentare

  1. Hi Anja,
    der Spielplatz klingt grundsätzlich sehr schön und nach einem Paradies für Kinder. Ich finde es traurig das er so verunstaltet wurde und die Stadt nicht dafür sorgt, dass der Müll usw. entsorgt wird.
    Es ist immer wieder schrecklich dass viele Menschen öffentliche Plätze nicht zu schätzen wissen und dafür sorgen dass diese so zurück gelassen bleiben wie angetroffen.
    Hoffentlich wird im Frühjahr Zeit und Geld in diesen investiert und euer kleiner Weltentdecker kann im Sommer alles wie angedacht nutzen und viel Spaß haben.
    LG
    Stephan

  2. Oh schade, der Spielplatz sah auf dem ersten Blick richtig toll aus! Diese Rutsche ist ja mal die längste Spielplatzrutsche, die ich je gesehen habe! Aber scheinbar nicht ganz ungefährlich und leider auch so verschmutzt. Ich hoffe, hier wird nochmal Grundputz gemacht, damit sich die Kinder wieder sicher und wohl fühlen!

    Liebe Grüße
    Jana

  3. Hallo,

    eigentlich ein toller Spielplatz mit guten Ideen. Auch das die Rutsche umgebaut wurde finde ich gut, gerade auch mit dem Hinweis. Aber schlimm das dort auch Jugendliche was trinken und alles verdrecken. Schade für die Kinder. Sonst eigentlich toll zum Toben.

    Liebe Grüße
    Julia

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