VOLLE FAHRT VORAUS: SPIELEN AUF DER BAUSTELLE

Beide Hände fest über die Ohren gelegt, stehen wir am Bauzaun. Ein Bagger schaufelt sich durch Sandberge. Ein Stahlträger baumelt von einem Kran hinab. Ein Presslufthammer wummert. Eigentlich viel zu laut. Doch viel zu spannend, um weiter zu gehen. Baustellen eben. Und Kinder.

Doch was ist das. Dort drüben. Ein Loch im Zaun. Wir schlüpfen hindurch, schleichen uns zum Lastwagen und klettern direkt ins eben verlassene Fahrerhaus. Der Schlüssel steckt. Bereit zur Abfahrt, starten wir das große Gefährt und holpern uns über das unwegsame Gelände.

Lok, Kran, Lkw: Hier darf jeder damit fahren

Auf dem „Bauarbeiter“-Spielplatz im Magdeburger Stadtteil Neustädter See ist das erlaubt. Mehr noch: Kleine und große Baustellen-Entdecker sind auf der großen Bau- – pardon – Freizeitfläche zwischen Victor-Jara- und Pablo-Neruda-Straße sehr willkommen. Ob Dampflok, Ladekran oder Hochofen – Hier darf nicht nur vom Zaun aus gestaunt, sondern alles ausgiebig ausprobiert werden.

Wir klettern zunächst über die Lkw-Rücksitzbank und öffnen mit lautem Knarzen die Tür zur Krankabine. Ein vorsichtiger Druck auf den gelben Knopf und der Kranarm schwenkt nach links. Rot – anhalten. Mit Blau rüber nach rechts. Wo wir einen Holzcontainer am Haken befestigen und nach oben befördern – Grün.

Wild hinab auf drei (zwei) Rutschen

Die Steuereinheiten sowohl vom Lkw als auch vom Kran sind leider dermaßen beschmiert und von ersterem zudem beschädigt, dass wir nach einem kurzen Ausprobieren wieder hinunter springen. Und eine Seilnetzröhre hinauf klettern. Bis zur hölzernen Kiste, die der Winterwind am Kran noch immer hin und her weht. Also schnell wieder runter, die Rutsche hinab, die im oberen Drittel übertunnelt ist.

Zu einer weiteren, noch höheren und kurvigen Rutsche direkt gegenüber führt ein spektakulärer Turm aus Holz und Metall. Kletterwand, Netz und Leitern stehen hier zur Wahl. Oben die ernüchternde Feststellung: Hier hat jemand sein Mittagessen mit reichlich Soße rutschen lassen. Klar, beim Toben und Spielen gehört Einschmuddeln quasi dazu. Kein Problem, wir haben eine Waschmaschine. Das hier aber ist grenzwertig. Schade.

Sandspiel auf den Schienen

Die dritte Rutsche ist sauber. Oder besser: So sauber sie auf einem Spielplatz eben sein kann. Der Weg dorthin verläuft über den Anhänger der Dampflok und durch selbige kriechend hindurch. Rund um die Eisenbahn gibt es für die Allerkleinsten einiges zu entdecken. Balancierend auf schwingenden Bändern geht es von der Lok zum Waggon, der mit Sandrutsche und Eimer am Kettenzug zum Buddeln einlädt.

Mit lautem „Tuuhuuut“ setzt sich das Schienenfahrzeug in Bewegung. Es qualmt aus dem Schornstein. Der Rechenschieber daneben steht in dichtem Dunst. Eine schwarze und zwei weiße Kugeln: drei. Und wir springen ab. Direkt am Hochofen, der mit innen umlaufender Bank und Tischchen ein prima Versteck ist. Außen können Kugeln auf einer Bahn entlang geschoben und Räder gedreht werden.

Werkzeug für kleine Bauarbeiter

Wir entspannen nebenan im schaukelnden Netz, getragen von überdimensionalem Werkzeug. Oder auf einer weiteren Schaukel, die ganz nebenbei ein Rad zum Drehen bringt. Wie die Schaukelgerüste ist der gesamte Spielplatz mit thematisch passenden liebevoll gestalteten Details versehen, die zu fantasievollem Spiel anregen. Hier und dort wäre allerdings eine gründliche Reinigung und etwas Farbe vonnöten.

Großer Spielplatz, wenig Kinder

Flächenmäßig ist dieser Spielplatz riesig. Ein Blick auf die vielgeschossige Wohnbebauung ringsum lässt vermuten, dass er für viele Kinder konzipiert worden ist. Doch offenbar wohnen hier weit und breit keine. Denn unseren gesamten Aufenthalt über sind wir die einzigen, die hier spielen, klettern, toben. An einem Wochenend-Vormittag. Seltsam.

Überbleibsel vom vorherigen Spielkonzept

Einen ungewöhnlichen Fund haben wir übrigens gemacht auf unserer Spiel-Baustelle: Eine riesengroße Schildkröte schleicht durch den Sand. Aus Holz und bekletterbar stammt sie noch aus dem Spielutensil des Platzes, der hier im Jahr 2003 errichtet worden ist. Thema waren damals noch Zootiere. Elefant und Krokodil wurden umgesiedelt, das Panzertier blieb. Ebenfalls erhalten ist der Matschbereich mit Wasserlauf für den Sommer, der große Rutschenturm, eine Seilnetz-Pyramide zum Klettern und ein mit Netzzaun abgetrenntes Spielfeld mit Tor und Korb. Erst mit der Sanierung fuhren 2016 Lkw und Eisenbahn auf das Gelände. Und blieben.

Der Beitrag ist Teil 11 unserer Spielplatz-Serie.
In lockerer Folge möchten wir euch die Spielplätze vorstellen, die wir in Magdeburg und auf unseren Reisen entdecken.

Welche sind eure liebsten Spielplätze? Schreibt es uns. Sofern wir vor Ort sind, kommen wir gern vorbei und berichten von unseren Erlebnissen.

Noch mehr Spielplätze findet ihr hier.

18 Kommentare

  1. Na das ist ja mal ein interessanter Spielplatz. Was es nicht alles gibt. Da kann man die Väter mit ihren Kids stundenlang beschäftigen. Ein Traum für jeden Bob der Baumeister Fan.
    Lg Ute reist

  2. Liebe Anja,

    ich staune immer wieder was für schöne Spielplätze ihr so entdeckt. Auf diesem hätte sogar ich noch meinen Spaß. Schade, dass er gar nicht so gut besucht zu sein scheint. Dabei hat er doch so viel zu bieten, auch von der Größe her. Für jeden ist etwas dabei. Da könnte ich mir sogar für die kleineren Kids einen super Kindergeburtstag vorstellen, wenn das wieder möglich ist.

    Liebe Grüße
    Mo

  3. Huch, wo ist das denn … wieder so ein toller Spielplatz. Schnell mal vormerken, in den Osterferien kommt uns wahrscheinlich – wenn Corona es denn zulässt – einer der Enkel besuchen. Da wäre das doch ein tolles Ausflugsziel.

    • Liebe Cornelia,
      der Spielplatz liegt zwischen Victor-Jara- und Pablo-Neruda-Straße, also im Stadtteil Neustädter See.
      Falls es klappt mit dem Enkel-Besuch, berichte uns gern, wie euch der Platz gefallen hat.
      Herzlichen Gruß
      Anja

  4. Liebe Anja,
    Die Schildkröte ist ja mal mega süß. Schade, dass ihre Freunde umgezogen sind. Weißt du, warum sie bleiben durfte? Aber das neue Thema ist ja auch super für kleine Entdecker – Baustellen üben auf Kinder ja irgendwie eine magische Anziehungskraft aus. Die vielen Knöpfe an dem Brett finde ich super. Aber schade, dass wieder so viel Graffiti überall zu sehen ist.
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

  5. Hallo,

    es ist Wahnsinn was da wieder ein toller Spielplatz ist. Vor allem die Ideen mit den ganzen Möglichkeiten. Sehr schade nur was andere daraus machen. Das schmieren ist schlimm, aber auch das mit dem Essen. Das alles muss nicht sein. Sonst wäre das ein tolles Paradies für Kinder.

    Liebe Grüße
    Julia

  6. Schon wieder so ein toller Themenspielplatz, nur schade, dass sich die Jugendlichen überall austoben müssen! Überall Schmierereien, auch wenn sie sich hier noch in Grenzen halten! Bei den Kindern kommt das Baustellenthema aber bestimmt trotzdem gut an!

    Liebe Grüße
    Jana

  7. Das da jemand mit tollen Ideen am Werk war, sehe ich sofort. Obwohl ich keine Kinder habe, gefällt mir dieser ausgefallene Spielplatz. Mein Lieblingsteil ist die hölzerne Schildkröte. Wie süß ist das denn?! Viele liebe Grüße!
    Marion

  8. Das sieht ja nach jeder Menge Spaß aus! Mein Sohn wäre ganz hin und weg – und auch selbst, ja ich gebe es zu, wäre man bei dem lässigen Spielplatz gerne mal wieder Kind 🙂

    Liebe Grüße,
    Team cookingCatrin

  9. Hallo Anja, das sieht ja mal nach einem coolen Abenteuerspielplatz aus, auf dem man sich richtig austoben kann. Und wie immer find ich deinen Schreibstil so schön erfrischend! 🙂 P.S. Die Schildkröte ist ja mal so richtig toll, die wäre auch etwas für mich! LG, Nikita von InVacanzaDaUnaVita

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