GROßE AFFEN, KLEINE AFFEN UND SCHIMPANSEN

Zoo oder nicht. Das haben wir uns vor dem ersten Besuch mit unserem Kind gefragt und intensiv darüber nachgedacht. Denn so weitläufig und üppig bepflanzt einige Tiergehege inzwischen auch sein mögen, artgerecht ist das sicher nicht. Die Tiere können in Zoos niemals so leben wie in Freiheit, in ihrer natürlichen Umgebung. Einige benötigen Psychopharmaka, um die Situation in Gefangenschaft ertragen zu können. Andererseits engagieren sich die meisten zoologischen Gärten über verschiedene Projekte für den Natur- und Artenschutz und tragen durch Beteiligung am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm zum Schutz vom Aussterben bedrohter Tiere bei.

So gibt es noch etliche Argumente, die für oder gegen Zoobesuche sprechen. Ausschlaggebend für uns ist: Unser Kind liebt Tiere. Alle Tiere. Von der Spinne bis zum Elefanten. Nun, Spinnen haben wir im Garten zuhauf, Elefanten weniger. Und auch diese soll es kennenlernen und beobachten können. Denn nur, was es kennt, wird es (später) auch schützen wollen und können. Dass wilde Tiere naturgemäß nicht hinter hohen Zäunen zu finden sind, erklären wir eben.

Inzwischen waren wir oft gemeinsam im Zoo, coronabedingt hatten wir eine lange Pause eingelegt. Für diesen Herbstfreitag nehmen wir es uns endlich wieder einmal vor. Frühmorgens ist es noch dichtneblig, als wir im Magdeburger Zoo ankommen, kämpft sich die Sonne durch. Bunte Blätter rascheln unter den Füßen, hin und wieder macht es „knacks“. Die Wege liegen dank der vielen großen Kastanienbäume hier und da dichtgesät voll mit den rotbraunen Früchten. Der Herbst ist deutlich zu spüren.

Wir sagen kurz den Erdmännchen am Eingang „Hallo“ und steuern dann das Tropenhaus an, denn das Kind möchte „große Affen, kleine Affen und Schimpansen“ sehen. Auf dem Weg dorthin begegnen wir den Goldkopflöwenaffen. Die flinken Tiere mit goldschimmerndem Fell sind eindeutig „kleine Affen“. Die Kattas nur wenige Schritte weiter, werden als „große Affen“ akzeptiert. Und im Tropenhaus, keine Frage, Schimpansen. Das ging schnell. Und so bleibt noch genug Zeit, weitere Wege des herbstlichen Zoos zu erkunden.

Die Kängurus gegenüber haben Nachwuchs und wir können beobachten, wie das Jungtier in den Beutel der Mutter schlüpft – ein einzigartiges kleines Schauspiel. Die Pinguine bekommen gerade frisches Wasser, welches zwei Enten munter probeschwimmen. Die Flamingos sind dem Kind eigentlich viel zu laut. Spannend sind sie dann aber doch, diese großen Vögel, die so unschlagbar gut sind im Einbeinstand. Unterwegs noch ein paar „Knallerbsen“, die überall weiß aus den dunkelgrünen Büschen leuchten, mit einem kräftigen Sprung darauf zerplatzen lassen und weiter zu den Löwen, die offenbar schon in Mittagsschlafstimmung sind. Zumindest vier Fünftel der Familie – Mamalöwe und die drei Kinder, Papa hält Wache. Anders die Warzenschweine, die sich ordentlich berangeln. Die obligatorischen Besuche bei Giraffen, Elefanten und Nashörnern halten wir kurz, denn auch uns ist nach drei Stunden Abenteuer im Herbstzoo nach einer Mittagspause zumute.

10 Kommentare

  1. Hi Anja,
    wenn ich an die Zoos in meiner Kindheit zurück denke kann ich eure Bedenken gut verstehen. Ich war vor zwei Jahren seit langem endlich wieder einmal mit Freunden und ihrer kleinen Tochter im Zoo.
    Ich wusste nicht was da passiert ist, der Zoo war ja nicht mehr wieder zu erkennen. Klar wusste ich das der Zoo die letzten Jahre viel Geld investiert hat, doch dass die natürliche Umgebung der Tiere so gut nachgebaut wurde hätte ich nie erwartet.
    LG
    Stephan von Blindfuchs.de

  2. Liebe Anja,
    Obwohl ich inzwischen viel Zeit in Subsahara-Afrika verbracht habe und rund 40 Mal auf Safari war – ich gehe trotzdem auch noch in den Zoo. Viele können das nicht verstehen. Klar, es ist nicht artgerecht – aber die Tiere, die man im Zoo sieht, wären in freier Wildbahn nicht überlebensfähig.
    Ich würde mir aber wünschen, dass Zoos lieber weniger Tiere halten und dafür die Anlagen großzügiger gestalten. Gerade die Affen in ihren kleinen „Schaufenstern“ finde ich oft enorm traurig.
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

    • Liebe Miriam,
      das hätte ich tatsächlich bei dir nicht erwartet.
      Und natürlich stimmt es, was du sagst. Die Tiere, die in freier Wildbahn bedroht sind, sind es nicht grundlos – die Lebensbedingungen sind nicht optimal (und das ist vermutlich noch sehr optimistisch ausgedrückt).
      Herzlichen Gruß
      Anja

  3. Wenn man ein Kind hat, dass sich dafür begeistert, dann kann man da doch auch hingehen. – Mit meinem Kind habe ich das nur sehr selten gemacht. Wir hatten beide wenig Spaß an den eingesperrten Tieren.
    Allerdings bei den Erdmännchen sind wir auch immer stehengeblieben. 🙂
    Schöne Bilder. Euch weiter viel Spaß im Zoo!

  4. Also wenn man tatsächlich über artgerechte Haltung diskutiert, dann dürfte man auch kaum Haustiere haben. Hunde, Vögel, Meerschwinchen, davon lebt kein Tier artgerecht in Gefangenschaft. Ich persönlich finde Zoos sehr wichtig. Kinder (und auch Erwachsene) können viel über die Tiere dort lernen. Nur so schafft man auch ein Bewusstsein dafür, was es zu schützen gilt.
    Ich finde die hier gezeigten Gehege sind eigentlich größtenteils sehr schön gemacht. Die weißen Löwen gefallen mir hier am besten. Ich hätte nicht mal gewusst, wo ich welche sehen kann.

  5. Das Für und Wider von Zoos bin ich auch schon öfters innerlich durchgegangen. Letzten Endes ist für mich entscheidend, dass Zoos nunmal die beste Öffentlichkeitsarbeit für Tiere sind, die man sich hierzulande vorstellen kann. Und sie machen nicht nur Kindern Spaß. Mir zum Beispiel auch. Ich liebe es, in Zoos zu fotografieren. Leider ist hier in der Region alles dicht. Hoffentlich nicht mehr so lange. Zum Beispiel die Zoos in Köln, Duisburg, Wuppertal oder Krefeld sind nämlich richtig schön.
    LG Renate von Trippics

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