NEUE KLEIDER FÜR DEN MARIENKÄFER (Rezension)

* Käfer wollen wir suchen, beschließt das Kind. Und schleicht vorsichtig durch wild wachsende Ringelblumen, gelb und orange. Um schon bald den ersten Erfolg freudig zu bejubeln. Sanft hält es die kleine Hand ganz nah an den dunkelgrünen Stängel, auf dem das sechsbeinige Krabbeltier die Sonne genießt. Und keine Anstalten macht, auf die ungeduldig wartenden Finger zu kriechen.
Die zweite Hand hilft behutsam nach und – schwupps – krabbelt der Marienkäfer hinüber.
Hochkonzentriert beobachten zwei staunende Kinderaugen das winzige Tier. Flink huscht es den kleinen Arm hinauf. Und wieder runter. Bis auf den Daumen. Kurz hält es inne, breitet die schwarzpunktigen roten Flügel aus und fliegt mit kaum hörbarem „Bssst“ davon.

Doch halt. Schwarze Punkte? Unbedingt. Sonst wäre der Marienkäfer mit seinem hübsch gemusterten Rücken ja nur ein einfacher roter Käfer. Und wieder ganz am Anfang der Geschichte aus Barbara Raths Kinderbuch „Warum der Marienkäfer schwarze Punkte hat – Eine mehrsprachige Tiergeschichte für neugierige Kinder“.

Der erste Punkt für den roten Käfer

In edlem leuchtendroten Kleid, rein und ungepunktet, spaziert der Käfer jeden Morgen durch das taunasse Gras. Nicht etwa, weil er es so mag. Ein wenig eitel ist er, und möchte sich nur frisch gewaschen zeigen. Doch eines Tages passiert beim Morgengang ein großes Missgeschick. Nicht dem Käfer, natürlich. Sondern einer schusseligen Hummel, die ihn bei offenbar zu wildem Nektarschlürfen mit Blütenstaub bekleckst.

Allerlei probieren die Tiere, um den schwarzen Fleck vom Käferkleid wegzuwaschen. Emsig schrubbt die Hummel, leider erfolglos. Selbst die Fliege mit ihrem Staubsauger-Rüssel und die Wasserdusche des Elefanten aus dem Zoo vermögen nicht zu helfen. Der Käfer ist betrübt, so richtig.

Viele Kleckse sind ein Muster

Doch dann hat die Hummel eine Idee. Und der Käfer kurze Zeit später einen mit weiteren Blütenstaubpunkten bestempelten Rücken. Herrlich kontrastreich und glänzend schön.

Geschichte vom ganz besonderen Käfertag

Liebevoll und kindgerecht erzählt Barbara Rath die Geschichte von diesem einen, ganz besonderen Tag im Leben des Marienkäfer. In einfacher, klarer Wortwahl lässt uns die Autorin den krabbelbeinigen Protagonisten und seine Freunde beobachten, lässt uns mitfühlen. Gemeinsam sind wir betrübt ob des Fleckes und zusammen atmen wir erleichtert auf, als endlich eine Lösung für das Problem gefunden ist.
Die Textabschnitte sind so übersichtlich gestaltet, dass auch die jüngsten Zuhörer weit unterhalb der Altersempfehlung von fünf Jahren der Erzählung folgen können.

Kinderbuch in zehn Sprachen

Eine Besonderheit des Buches ist seine Zweisprachigkeit, im Falle unseres Exemplares Deutsch – Englisch.
Als zweite Sprache sind neben Deutsch außerdem Albanisch, Arabisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Russisch, Spanisch, Türkisch und Krieewelsch, die Krefelder Mundart, verfügbar. Zusätzlich gibt es eine Vorlage, die selbst ausgefüllt werden kann, mit weiteren Sprachen oder Mundarten.

Die Textversionen beider Sprachen sind auf den einzelnen Buchseiten untereinander angeordnet. Sie können seitenweise im Wechsel gelesen werden oder aber die Geschichte insgesamt in beiden Sprachen nacheinander. Die zweisprachige Erzählweise ist ein Gewinn für mehrsprachig aufwachsende Kinder und all diejenigen, die eine weitere Sprache im Familienalltag etablieren möchten.

Die Textblöcke einer jeden Sprache sind mit der jeweiligen Flagge versehen. Schade, dass die Abbildungen im Buch gänzlich schwarz-weiß gehalten sind und die Landesfahnen somit in Graustufen statt in ihren typischen Farben erscheinen.

Auf den letzten Buchseiten gibt es außerdem eine Liste wichtiger Vokabeln der Geschichte, übersetzt in alle zehn Sprachen, in denen das Kinderbuch erhältlich ist.

Illustrationen von Kindern für Kinder

Ebenfalls ganz besonders sind die Illustratorinnen und Illustratoren des Käferbuches: Ceyda, Deni, Hannah, Hatice, Mahmoud, Nico, Phil, Timo. Allesamt Kinder der städtischen Kindertageseinrichtung Remscheider Straße/Familienzentrum Krefeld. Im Rahmen eines „Tages des Buches“ haben sie Barbara Raths Geschichte illustriert.

Vom in der Sonne spazierenden Käfer und der Kleckerei der Hummel über die Putzversuche derselben, der Fliege und des Elefanten, bis hin zum neu bekleideten Käfer. Die Kinder haben ihre ganz eigene Vorstellung der Geschichte gemalt. Wild und einzigartig.
Jeder einzelne der acht kleinen Künstler ist gewiss und zu Recht stolz darauf, maßgeblich ein Kinderbuch mitgestaltet zu haben.

Farbe für lebendige Bilder

Die lebendig-schönen Bilder hätten wir allerdings viel lieber kunterbunt gesehen. So, wie Kinderzeichnungen nun einmal (meistens) sind. Offenbar ist die Farbe, sofern sie in den ursprünglichen Zeichnungen vorhanden war, auch an dieser Stelle der Schwarz-Weiß-Gestaltung des Buches zum Opfer gefallen. Schade, handelt es sich doch um ein Kinderbuch. Und würde die Farbigkeit der Bilder eine Wertschätzung dem gegenüber vermitteln, was die Kinder zum Entstehen des Buches beigetragen haben. Jede zweite Seite füllend, machen sie schließlich einen maßgeblichen Anteil des Buchinhalt aus.

Botschaft von Freundschaft, Zusammenhalt und Mut

Und auch wenn wir uns für eine nächste Auflage die Farben, sowohl der Flaggen als auch der Kinderzeichnungen, zurück wünschen, ist Barbara Rath mit der Beantwortung der Frage nach den Käferpunkten eine fantasievolle Tiergeschichte gelungen. Die mit dem Schwerpunkt Zoologie diplomierte Biologin schafft eine beschwingte Erzählung von Freundschaft und Zusammenhalt, über alle Größen und Tierarten hinweg. Von der Wichtigkeit, sich in seiner Haut (und seinen Flügeln) wohl zu fühlen. Und vom Mut, etwas Neues zu wagen.

Neues wagt ebenso der Käfer in unserem Garten. Abermals vom Kind auf dessen Hand befördert, nimmt er nicht etwa nach kurzer Erkundung Reißaus. Nein. Er wartet. Und lässt sich zur nächsten Blume tragen. Einer roten.

Titel: Warum der Marienkäfer schwarze Punkte hat – Eine mehrsprachige Tiergeschichte für neugierige Kinder, Deutsch – Englisch, Band 2
Urheber: Barbara Rath (Autorin); Kinder der städtischen Kindertageseinrichtung Remscheider Straße/Familienzentrum Krefeld (Illustratoren); Titelgrafik: Barbara Rath, mit Genehmigung von „openclipart“ und „Canva Design“
Altersempfehlung: ab 5 Jahren
Umfang: 76 Seiten, Taschenbuch
Maße: 20,3 x 12,7 cm
Herausgeber: Barbara Rath
Veröffentlichung: 16. April 2018
ISBN: 9781980258179
Preis: 4,99 Euro

Fotos: Anja Jürges/STADT LAND WELTentdecker
Cover/Titelgrafik: © 2017 Barbara Rath, mit Genehmigung von „openclipart“ und „Canva Design“

* Für den Beitrag wurde uns ein Rezensionsexemplar des Buches „Warum der Marienkäfer schwarze Punkte hat – Eine mehrsprachige Tiergeschichte für neugierige Kinder, Deutsch – Englisch, Band 2“ zur Verfügung gestellt, er ist demnach Werbung. Der Text ist unbezahlt und zeigt lediglich unsere Erfahrungen und Meinung. DANKE für das Buch und die offene und freundliche Kommunikation, liebe Barbara! ♡

Weitere Buchentdeckungen findet ihr hier.

12 Kommentare

  1. Die Idee ein Kinderbuch mehrsprachig zu verfassen finde ich sehr gelungenen.
    Gerade kleine Kinder merken sich so unfassbar viele Kleinigkeiten, die sie ein Leben lang nicht mehr vergessen.
    Perfekt um eine Sprache von klein an zu lernen und zu verinnerlichen.

    Übrigens, ich liebe Motschkiepchen 🙂

  2. So schön, wenn Sprache lernen mit so viel Freude schon früh vermittelt wird. Phantasie ist sicherlich dabei sehr hilfreich.
    Alles Liebe
    Annette

  3. Hi Anja, das klingt nach einem sehr schönen Buch für Vorschulkinder die damit beginnen eine andere hier meist englische Sprache zu lernen. Ich finde die Geschichte sehr niedlich und wette dass das ein oder andere Kind an dem Buch freude haben wird.
    LG
    Stephan

  4. Liebe Anja!
    Herzlichen Dank für deine ausführliche Rezension!
    Ja, Farbe hatten wir alle, die an der Konzeption und Realisation dieses Buchprojektes beteiligt waren, uns auch gewünscht – aber die konnten wir uns buchstäblich nicht leisten. Die mitwirkende Kita hatte keinen Etat dafür; die über ihre malenden Kinder oder als Übersetzer beteiligten Eltern sollten sich das Buch kaufen können, ohne dass es ihr Budget über Gebühr belastet. Wir wollten mit dem Buchprojekt „die Schwelle“ zum Buch senken und in bestimmten Gegenden meiner Heimatstadt ist ein niedriger Preis dabei ein entscheidender Parameter.
    Ohne Print on Demand? Undenkbar, solch ein Projekt zu realisieren! Mit Farbdruck? Einfach zu teuer. So, wie die Bücher jetzt publiziert sind, kosten sie € 4,99 – und alle Eltern konnten sie für sich oder ihre Kinder kaufen, und zwar auch mehrfach, um beispielsweise die Großeltern damit zu beschenken. Dieser Aspekt war uns ganz wichtig.
    Dass die Buchreihe immer noch gekauft werden kann – und gekauft wird – ist eigentlich ein geradezu unerwarteter Nebeneffekt. Bei der Konzeption des Projektes hatten alle Beteiligten lediglich nach Wegen gesucht, wie es möglich ist, dass eine Kita ein Werk in der benötigten Stückzahl herausbringen und den beteiligten Kreativen verfügbar kann, ohne selbst Geld zu investieren. Da ist eine Plattform wie KDP ideal.
    Um einen Qualitätsverlust bei der Bildbearbeitung zu vermeiden, haben wir seinerzeit die Kinder angeleitet, ihre Illustrationen sofort nur mit schwarzem Filzstift zu zeichnen. Klar, wir hätten auch bei den jungen Künstlern einen Satz Bilder farbig in Auftrag geben können – aber auch ohne diesen Zusatzauftrag haben sie wirklich angestrengt gearbeitet. Ich auch, denn ursprünglich war das Projekt dreisprachig angedacht und mit jeder neuen Sprache, die hinzukam, konnte ich alle bereits bestehenden Ausgaben als E-Book + Taschenbuch neu überarbeiten. Wirklich: Ich habe tage- und nächtelang am PC verbracht vor dem großen „Buchfest“ in der Kita zum Projektabschluss und das hat für die bestehenden Fassungen absolut gereicht 😉
    Liebe Grüße und nochmals herzlichen Dank für die Präsentation,
    Barbara

  5. Huhu,

    das klingt ja nach einem richtig gelungenen Kinderbuch. Besonders mit den mehreren Sprachen und Illustrationen von den Kids finde ich super!

    LG
    Steffi

  6. … wer solch ein Projekt selbst angehen möchte, findet hier einen Leitfaden zum Download, der – ohne den Anspruch zu erheben, rechtssicher zu sein – weiterhelfen kann: https://www.dropbox.com/s/q2ys47z06i41022/Leitfaden.docx?dl=0

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