AUF ACHT BEINEN DURCH DEN WALD (Rezension)

* Es habe ein Geschenk für uns, ruft das Kind freudig, als es von draußen herein kommt. Und legt es uns mitten auf den Frühstückstisch, das Geschenk. Das achtbeinige. Ein langbeiniger Weberknecht sitzt schockstarr zwischen Brötchen, Kaffee und Käse. Und wir ähnlich regungslos ringsum. Wir geben uns reichlich Mühe, fröhlich-überrascht zu wirken. Und überzeugen den kleinen Spinnenfreund nach herzlichem Dank dennoch davon, dass der spannende Morgenfund im Freien besser aufgehoben ist.

Flops, die kleine Spinne

Unser Kind liebt Tiere. Alle Tiere. Am allermeisten aber Hunde und Katzen. Und solche, die kriechen und krabbeln – Raupen, Schnecken, Käfer und eben Spinnen. Ganz klar also, dass Flops, die kleine Spinne, aus Christiane Nebels gleichnamigem Kinderbuch, bei uns sofort willkommen war.

Zwar sind wir nicht die Familie, welche das flauschige Krabbeltier so dringend sucht, doch helfen wir Flops gern dabei, ihr Seite für Seite des Buches etwas näher zu kommen.
Was war geschehen?
Ein heftiger, regenreicher Sturm hatte seine Perle fortgespült. Flops kämpfte sich Beinchen für Beinchen heraus. Und war allein. Sogleich beschloss das Tier mit den zu allen Seiten abstehenden Haaren und den acht Augen, seine Familie wiederzufinden.

Springspinne findet Freunde

Dabei begegnet die äußerst niedliche Springspinne allerlei Waldbewohnern. Sie bleibt eine Weile bei der Mäusefamilie, der sie ihren Namen verdankt. Sie jagt der großen roten Erdbeere mit ihren schwarzgepunkteten Flügeln einen gewaltigen Schreck ein und erfährt von der Wespe, warum der Marienkäfer solche Angst vor ihr hat. Sie lauscht dem abendlichen Konzert der Grillen und den Schilderungen des Weberknechtes zur Vielzahl unterschiedlicher Spinnentiere. Die Kreuz- und die Kugelspinne lernt Flops sogleich kennen. Ebenso den Spinnenfresser, der den kleinen Krabbler geradewegs in den Waldbach treibt.

Auf seiner Reise durch den Wald gerät Flops von einem Abenteuer ins nächste und schließlich gar in Lebensgefahr. Glücklicherweise ist der Retter, Flusskrebs Kalle, nicht weit. Und wer weiß, vielleicht kennt er ja sogar den Weg zu Flops‘ Familie.

Waldwunder und Gefahren

Mit besonders einfühlsamem Blick auf die putzige Springspinne Flops begleitet Christiane Nebel dieselbe durch den aufregenden Wald, der voller Wunder, aber auch voller Gefahren steckt. Die Autorin und Illustratorin lässt ihren kleinen achtbeinigen Protagonisten nicht nur herausfinden, wer er ist, sondern auch, wo sein Platz im Wald ist.

Flops lernt im Kennenlernen der anderen Tiere jede Menge über sich selbst. Er ist gleichermaßen fasziniert von der Vielfalt der anderen Waldwesen und sehnt sich nach denen, die ihm ähnlich sind. Nach seiner Familie, seinem Zuhause.

Einzigartig anders

Über die kindergerechte Spinnen-Geschichte vermittelt Christiane Nebel die wichtige Botschaft zum Anderssein. Schrecklich einsam kann es sich anfühlen, anders zu sein. Und doch ist es unsere Einzigartigkeit, die uns ausmacht und uns unseren Charakter gibt. Und uns schließlich zeigt, wo wir hingehören.

Ganz nebenbei erfahren wir so einiges über die Lebewesen im Wald, denn jedes der Tiere, denen Flops begegnet, stellt sich ihm mit seinen Eigenschaften und Besonderheiten vor. Von der Anzahl der Beine und Augen bis hin zu charakteristischen Fähigkeiten. Einen Überblick darüber geben die letzten Buchseiten. Hier finden wir Flops und seine neuen Freunde (und Feinde) in einer bebilderten Übersicht mit kurzen Beschreibungen versammelt.

Sprachlicher Feinschliff

Sprachlich könnten einige Passagen dem Spannungsbogen zuträglich gestrafft werden. Und dem Verständnis wegen in der Wortwahl konkreter sein. Wenn sich beispielsweise in einer dramatischen Situation wie dem Aufeinandertreffen mit dem Spinnenfresser Satzteile und Wortgruppen wiederholen und die Dynamik einer solchen Szene bremsen. Oder wenn bei der Begegnung mit den Mäusen sowohl Flops als auch die Nager als Wesen bezeichnet werden und nicht ganz klar ist, welches davon gerade spricht.  

Illustrationen zeigen die Wunderwelt Wald

An anderen Stellen begeistern hingegen naturnahe und stimmungsvolle Schilderungen. Welche uns Bilder in die Köpfe malen, die der Wunderwelt der Illustrationen gleichen.
Die ausdrucksstarken Zeichnungen der Grafikerin aus Leipzig nehmen uns mit in den Wald. Auf Augenhöhe mit Nagern, Insekten, Wasser- und Spinnentieren. Und den sie umgebenden Pflanzen. Wie durch ein Vergrößerungsglas sehen wir Details, die uns sonst verborgen bleiben.

Denn wer hat bereits eine Spinne nah und lange genug betrachtet, um alle sechs oder acht Augen deutlich erkennen zu können – schon vom partiell lackierten Bucheinband aus glänzen uns zwei davon entgegen. Oder den feinen, zartrosa Rücken einer Kugelspinne. Das perlmuttgleiche Schimmern einer Spinnenperle oder die feinen Farbnuancen von Weiß über Gelb, Orange und Rot bis hin zu Hell-, Dunkelbraun und Schwarz in den Haaren einer Springspinne.

Die zauberhaft gezeichneten Makro-Aufnahmen der Tier- und Pflanzenwelt des Waldes bekommen durch ihre Menschlichkeit etwas Magisches. So spielt die Grille ihre Musik auf der Geige, Opa Langbein trägt eine Brille und der Kreuzspinnen-Mann reicht seiner Liebsten ein Gänseblümchen. Und wir: sind mittendrin.

Kinderbuch für (künftige) Spinnenfreunde

Mit Ausnahme des Spinnenfressers begegnen uns alle Charaktere warmherzig. Sie sind Flops gegenüber offen, freundlich und hilfsbereit. Zum Gernhaben.
Ein liebevoll gestaltetes Kinderbuch nicht nur für Freunde der kleinsten Waldbewohner. Besonders auch für diejenigen, die sich sonst eher vor den Krabbeltieren fürchten.

Wir setzen unseren achtbeinigen Frühstücksgast unterdessen gemeinsam nach draußen. Und schauen ihm nach, während er zwischen dunkelgrünen Gräsern verschwindet.

Titel: Flops, die kleine Spinne
Urheber: Christiane Nebel
Altersempfehlung: ab 3 Jahren
Umfang: gebunden, 42 Seiten
Maße: 27,5 cm x 23,6 cm
Herausgeber: Wunderhaus Verlag
Veröffentlichung: 1. September 2019
ISBN: 978-3963720543
Preis: 9,95 Euro

Fotos: Anja Jürges/STADT LAND WELTentdecker
Cover/Titelgrafik: Wunderhaus Verlag/Christiane Nebel

* Für den Beitrag wurde uns ein Rezensionsexemplar des Buches „Flops, die kleine Spinne“ zur Verfügung gestellt, er ist demnach Werbung. Der Text ist unbezahlt und zeigt lediglich unsere Erfahrungen und Meinung. DANKE für das schöne Buch und die freundliche Kommunikation, liebe Christiane! ♡

Weitere Buchentdeckungen findet ihr hier.

14 Kommentare

  1. Ihr findet aber auch immer wieder süße Kinderbücher.
    Da freute ich mich wieder auf das nächste Treffen mit meinem Patenkind, denn dann gibt es einiges an schönen Bücher, die wir dann lesen können.

    Ich werde mich mal auf die Suche machen, ob unsere Bücherei deine Tipps auf Lager hat.

    Freue mich schon auf mehr von Dir.

    Liebe Grüße, Katja

  2. Hi
    dank Deiner schönen Beschreibung kann ich mich richtig in die kleine Spinne hineinversetzen.
    Deine Fotos sind toll und alleine schon durch Dein Foto am Anfang, das Buch im Gras, hat man Lust es zu kaufen und zu lesen.
    wirklich schön!

  3. Liebe Anja,

    Spinnen sind ganz faszinierende Wesen. Schön, dass es dazu auch ein Kinderbuch gibt, vom Cover her spricht es mich auf jeden Fall schon einmal an. Schade, dass manche Wortwiederholungen die Spannung kaputt machen und nicht immer klar ist, wer gerade spricht. Aber trotz kleinerer Kritikpunkte deinerseits finde ich es schön, dass auch Kinder Spaß an dem Buch finden, die sich sonst eher vor Spinnen fürchten.

    Liebe Grüße
    Mo

    • Liebe Mo,
      wir finden es auch wunderbar, dass der kleine Spinnen-Protagonist so sympathisch dargestellt ist und sicher dem ein oder anderen Menschen die Angst vor den wirklich spannenden achtbeinigen Tieren nimmt.
      Herzliche Grüße
      Anja

  4. Liebe Anja,
    Ich finde es immer wieder toll, dass du auch bei schönen Kinderbüchern auf die Mängel aufmerksam machst. Gerade als Journalistin finde ich es immer schade, wenn eine Bezeichnung gewählt wird, die nicht eindeutig zuzuordnen ist. Und Wesen ist ja wahrlich ein sehr offener Begriff.
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

    • Liebe Miriam,
      vielen lieben Dank für deine Rückmeldung zur Kritik an diesem wahrlich schönen Kinderbuch. In unseren Augen ist nur so eine Rezension authentisch – wenn wir ehrlich sagen, was gefällt und was weniger.
      Herzliche Grüße
      Anja

  5. Wie erklärt man der kleinen Nichte, dass Spinnen nicht WÄH sind? Mit diesem Buch. Danke für diesen tollen Tipp!!

  6. Das klingt nach einem tollen Buch für den Kindergarten. Ich werde das mal auf die Liste setzen und unserem Kindergarten zeigen. Außerdem kommt es auf die Liste der Bücher, die ich verschenken möchte. Meine Kids sind ja Teenager, aber in der Familie haben wir alle Altersklassen vertreten. Ich mag das Buch sehr gerne!

    Liebe Grüße, Bea.

  7. Oh Spinnen sind so gar nicht meine Welt, ich kann dir gar nicht sagen, warum. Anerzogen ist die Angst auf jeden Fall nicht, meine Eltern fassen die Tierchen sogar an … aber um zum Buch zu kommen: Ich finde gut, diesen Krabblern ein eigenes Buch zu widmen! Auf dem Cover sieht die Spinne ja recht niedlich aus, da wird es in Zukunft sicher weniger Menschen mit Arachnophobie geben 🙂

    Liebe Grüße
    Jana

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