BIS ZU DEN STERNEN UND ZURÜCK (Rezension)

* Verlassen steht der kleine, blaue Eimer am Sandkastenrand. Ringsum liegen wild verstreut Schaufel und Harke, Förmchen und Sieb. Das Kind schaukelt ausdauernd. Bis sich ein anderes Kind dem Sandspielzeug nähert. Das offensichtliche Ziel ist nach einem plötzlichen Sprung von der Schaukel auf den Boden schnell erreicht. Und eifrig wird sogleich gebuddelt, der Eimer befüllt und geleert, Sandkuchen gebacken. Sieht so aus, als gebe es hier nichts zu holen. Gemeinsam spielen – gern. Doch nicht mit den eigenen Sachen. Teilen kann verdammt schwierig sein.

„Der Maulwurf und die Sterne“: Eine Geschichte vom Teilen

Ähnlich geht es dem kleinäugigen Schaufeltier aus Britta Teckentrups Kinderbuch „Der Maulwurf und die Sterne“. Er liebt sie, die funkelnden Leuchtpunkte am dunklen Nachthimmel. Jeden Abend schaut er sie an, von seinem Lieblingsstein aus. Wie herrlich sie glänzen und glühen, in seiner Höhle ist es schrecklich dunkel. Zu gern hätte er alle Sterne für sich allein.

Als der Maulwurf eines Abends den Fall einer Sternschnuppe beobachtet, geht sein Wunsch in Erfüllung. Überall ragen vom Boden aus Leitern gen Himmel. Der Maulwurf klettert sie eine nach der anderen hinauf und pflückt alle Sterne vom Himmel. Von dieser Nacht an ist die unterirdische Maulwurfshöhle hell erleuchtet.

Einsames Sternenglück

Doch nach einigen Tagen in seinem Sternenreich fühlt sich der Maulwurf einsam. Er vermisst seinen Lieblingsstein und verlässt seinen Bau. Unter dem sternenlosen schwarzen Himmel findet er die Waldtiere traurig vor. Bär, Feldmaus, Reh, Fuchs und Eule trauern um die Sterne. Überall haben sie danach gesucht. Vergebens. Betrübt läuft der Maulwurf in den Wald. Wie konnte er wissen, dass die anderen Tiere die Sterne ebenso brauchen wie er. Er wünschte, er hätte sie nie genommen.

Plötzlich entdeckt der Maulwurf einen Stern in einer Pfütze, sein Licht schon fast erloschen. Ist das etwa seine Sternschnuppe? Leise flüstert er seinen Wunsch. Und erneut erscheinen überall Leitern, hinauf zum Nachthimmel. Mit der Hilfe seiner Freunde gelingt es dem Maulwurf schließlich, dem Himmel sein Sternenlicht zurückzugeben.

Fehler zum Verzeihen

Britta Teckentrup übersetzt mit „Der Maulwurf und die Sterne“ ein für Kinder – und gewiss auch für den ein oder anderen Erwachsenen – alltägliches Thema in eine fantasievolle und zutiefst anrührende Geschichte. 

In seinem Wunsch, alle Sterne zu besitzen, denkt der Maulwurf nicht an die anderen Tiere. Verständlich, ist er doch voller Freude über dessen Erfüllung. Und ahnt nicht, dass nicht nur er die Sterne liebt. Als der anfängliche Sternendieb es erfährt, nutzt er seine Chance auf Wiedergutmachung ohne zu zögern. Die Waldtiere verzeihen ihm. Und wir ebenso.

Herzliche Einladung zum Teilen

In kurzen, ausdrucksstarken Textpassagen eröffnet Britta Teckentrup ihren kleinen und großen (Vor-)Lesern die Möglichkeit, sich ganz und gar in den warmherzigen, kleinen Protagonisten einzufühlen. Der allergrößte Wunsch geht in Erfüllung, liegt zum Greifen nah vor unseren Füßen. Ganz klar, dass wir ihn schnappen. Dann merken wir, wie sehr wir andere damit verletzen. Und könnten teilen. Wie entscheiden wir uns?
In einer Gesellschaft, in der sich oftmals jeder selbst der Nächste ist, fällt die Antwort unter Umständen gar nicht so eindeutig aus.

Sowohl Kinder als auch Erwachsene kommen hier zum Nachdenken über eigene Einstellungen und Werte. Und werden behutsam eingeladen, es wie der Maulwurf zu machen. Teilen. Freude verschenken und gleichzeitg gewinnen.

Stimmungsvolle Illustrationen mit Sternenglanz

Ähnlich traumhaft wie die Geschichte selbst sind die ausdrucksstarken Illustrationen. In einer an Collagen erinnernden Darstellungsweise mit klaren wie prägnanten Formen und Farben lenkt Britta Teckentrup den Blick auf das Wesentliche.

Dunkle Blau- und Grüntöne, Dunkelgrau und Schwarz dominieren die nächtliche Farbstimmung. Heraus funkeln goldgelb glänzend die Sterne. Kein Wunder, dass sie so sehr geliebt sind.Äußerst atmosphärisch sind die Bilder, die Charaktere gefühlvoll und fein gestaltet. Wir sehen dem Maulwurf seine Sehnsucht, seine überschwängliche Freude und tiefe Traurigkeit an. Am liebsten nähmen wir ihn sanft in den Arm, um ihm zu zeigen, dass alles wieder in Ordnung kommt. Aber das machen ja schon seine Freunde, die Wildtiere, auf ihre Weise.

Hier werden kleine Räuber nicht verurteilt oder mit erhobenem Zeigefinger belehrt, sondern Verständnis geweckt und Alternativen aufgezeigt. Respektvoll und wertschätzend.

(Gute Nacht) Geschichte zum Träumen

Britta Teckentrup schafft mit „Der Maulwurf und die Sterne“ eine in Wort und Bild zauberhafte Geschichte zum Träumen. Von Bedürfnissen, Sehnsucht und Grenzen, von Freundschaft und von Schuldgefühlen. Von Fehlern und dem Verzeihen derselben. Nicht nur zur guten Nacht, sondern zum immer wieder Hervorholen, wenn das Thema Teilen präsent und vielleicht sogar schwierig ist.

Wir klettern derweil zurück auf die Schaukel. Und nehmen freundlich zur Kenntnis, dass andere Kinderhände flugs den kleinen, blauen Eimer mit Sand füllen, bis zum Überrieseln.

Titel: Der Maulwurf und die Sterne
Urheber: Britta Teckentrup
Altersempfehlung: ab 3 Jahren
Umfang: Hardcover, 32 Seiten
Maße: 250 mm x 250 mm
Herausgeber: Verlag arsEdition
Veröffentlichung: 24. Juli 2019
ISBN: 978-3-8458-3066-7
Preis: 15,00 Euro [D], 15,50 Euro [A]

Original Titel: Mole’s Star
Original Verlag: ORCHARD BOOKS, ein Imprint der Hachette Children’s Group, part of The Watts Publishing Group Limited
Original Sprache: Englisch

Fotos: Anja Jürges/STADT LAND WELTentdecker
Cover/Titelgrafik: Verlag arsEdition

* Für den Beitrag wurde uns ein Rezensionsexemplar des Buches „Der Maulwurf und die Sterne“ zur Verfügung gestellt, er ist demnach Werbung. Der Text ist unbezahlt und zeigt lediglich unsere Erfahrungen und Meinung. DANKE für das schöne Buch und die unkomplizierte und herzliche Kommunikation, liebe Marlena! ♡

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18 Kommentare

  1. Ihr Lieben,

    wie schön, wenn Kinderbücher auf liebevolle Art erklären und Dinge veranschaulichen.
    Ohne den erhobenen Finger sondern mit geglückter Bildsprache.

    Respektvoll und wertschätzend – schön.

    Liebe Grüße, Katja

  2. Oh was für schöne Illustrationen und das Buch klingt super für Kinder. Ich habe selbst keine Kinder, aber freut mich wenn es bei dir gut angekommen ist.LG melissa

  3. Liebe Anja,

    bei Kinderbüchern für die kleineren Leser mag ich Illustrationen, die auf den Punkt sind. Das scheint bei dieser sehr schönen Geschichte der Fall zu sein. Das Thema ist wichtig und auch hier ist die Umsetzung wohl gut gelungen. Danke für deine aufschlussreiche Rezension. Ohne dich wäre ich diesem Kinderbuch wohl nicht begegnet.

    Liebe Grüße
    Mo

  4. Was für eine schöne Geschichte. Denn dass Kinder das Teilen lernen, ist immens wichtig. Für sie selbst und für uns alle.
    Danke für Deine Buchauswahl!

  5. Das klingt nach einem schönen Kinderbuch. Meine Maus liebt Bücher sehr, wir brauchen ständig Nachschub! Die schöne Lampe mit dem Schlafmond übrigens habe ich meinem Neffen geschenkt 😀 Die ist auch super!

  6. Liebe Anja,
    Das klingt nach einem wundervollen Buch, das sooooo viele Werte mitgibt. Der Maulwurf, der einen Fehler begeht, weil er nicht viel nachdenkt – und wie schön es ist, dass sowohl er seinen Fehler einsieht, als auch, dass ihm verziehen wird von den anderen Tieren.
    Ich musste übrigens direkt an meine Zeit in Norwegen denken. Ich bin im Mai dorthin gezogen und war ganz enttäuscht, dass es keine Sterne gab. Die kamen dann aber ab September/Oktober zurück – und das zuhauf. Ich hatte einfach unterschätzt, dass bei so viel Tageslicht im hohen Norden die Sterne sich die Hälfte des Jahres nicht durchsetzen können. Die Idee, dass ein Maulwurf sie geklaut haben könnte, finde ich jetzt noch süßer!
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

  7. Es gibt soviele wunderbare Kinderbücher. Auch wenn Sohnemann schon 18 ist. Ich freue mich, hier immer wieder etwas zum Verschenken zu entdecken. Und das Buch hört sich ja wieder richtig gut an. Das Thema ist auch unglaublich wichtig. Gerade in der heutigen Zeit sollte man den Kindern alle Werte so nah wie möglich bringen.
    Liebe Grüße
    Sandra

  8. Mir geht es genauso wie dem Maulwurf! Ich könnte auch jeden Abend in den Nachthimmel gucken! Meist von unserer Bank im Garten, auf der ich dann liege und nach den Sternen und Satelliten Ausschau halte. Ich bin immer ganz traurig, wenn der Himmel bewölkt ist … dann sieht es so aus, wie im Buch beschrieben, als gäbe es keine Sterne mehr! Zum Glück kann sie niemand einsammeln, ich würde sie auch vermissen!

    Liebe Grüße
    Jana

  9. Was für ein schönes Kinderbuch!
    Ich musste beim lesen sogleich an den Spruch denken: „Alle denken nur an sich, außer ich ich denk an mich.“ 🙂
    Ich glaube dass es bei diesem Buch, wie bei so vielen Kinderbüchern, der Fall ist dass nicht nur die Kleinen etwas lernen können.
    LG
    Stephan

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