IN KÄFERPERSPEKTIVE DURCH DEN GARTEN (Rezension: Das große Summen)

* Sie sind winzig klein, haben so einige Beine, manchmal Panzer, Flügel, Fühler, Rüssel und gefährliche Stachel: Insekten. Viele von ihnen sind inzwischen in warmen Höhlen und sicheren Verstecken verschwunden. Schließlich zeigt sich der Spätsommer gerade besonders herbstlich.

Nicht so im Bilderbuch „Insekten: Das große Summen“ von Angela Diterlizzi und Brendan Wenzel, erschienen am 18. März 2019 im Verlag arsEdition. Hier krabbelt und kriecht, surrt und summt es nur so über die Seiten. Und wir? Sind mittendrin.

Kater und Käfer auf Achse

Gemeinsam mit Kater Oskar und einem mutigen Marienkäfer begeben wir uns nämlich auf Entdeckungsreise durch einen kleinen Hinterhof und Garten – wir schleichen am Teich entlang und über eine Picknickdecke, wir stapfen durch hohes Gras und vorbei an Pilzen, wir blicken in zerbrochene Blumentöpfe, hinter große Steine und wir klettern auf Bäume.

Blick durchs Vergrößerungsglas

Dabei ist mittendrin tatsächlich wörtlich gemeint, denn Brendan Wenzels Illustrationen zeigen alle Eindrücke aus der Käferperspektive. Wie durch eine Lupe betrachtet, sehen wir um uns Ameisen und Asseln, Bienen und Bremsen, Zikaden und Zecken. Wir erkennen Details, die uns sonst verborgen bleiben. Und sehen Bekanntes in völlig neuem Licht.

Grashalme sind plötzlich überdimensional große Gewächse. Der Frosch, der aus dem Wasser lugt, ist ein glubschäugiger grüner Riese. Pilze erscheinen im Baumformat. Der Picknickkorb ist geräumige Speisekammer, das Spinnennetz einladendes Klettergerüst. Doch halt, es klebt.
Und was ist dieses spitze, gelbe Ding, das bedrohlich zwischen den Blumenstängeln hervorblitzt? Na klar, der Schnabel eines Vogels. Also: Verstecken, wer nicht gefressen werden will. Am besten unter einem kleinen Blatt, denn das ist hier ja riesig.

Bildliche Darstellung mit Augenzwinkern

In herrlichen kleinen Bilder-Geschichten wie dieser erfahren wir so jede Menge über das Leben und die besonderen Fähigkeiten der verschiedenen Insekten. Unser kleiner rotflügeliger Begleiter kommentiert das Gesehene mit augenzwinkernder Mimik. Herrlich, wie die kleine Zunge aus dem Mäulchen hängt und ein Krabbelfuß die nicht vorhandene Nase zuhält, beim Gestank der Wanze. Wie der Marienkäfer, zwischen Blattläusen auf einem Ast sitzend, den Kampf der Herkuleskäfer bestaunt. Wie er mit ängstlichem Blick auf einem Spinnenwebfaden balanciert.

Die abgebildeten Insekten sind gut erkennbar, aber mit einer gewissen Portion Abstraktion dargestellt. Fern von naturgetreu-realistisch. Fast allen gemein sind die großen Kulleraugen, welche die Krabbler regelrecht putzig anmuten lassen.

Die Farbigkeit ist bunt-lebendig, jedoch keinesfalls überladen. Herausstechende Farben akzentuieren dabei die optischen Besonderheiten der Krabbeltiere.

Wort-Insekten krabbeln von Seite zu Seite

Was die Insekten außerdem auszeichnet, trifft Angela Diterlizzi auf den Punkt. Einzelne Worte nur bewegen sich insektengleich über die Bilder, reihen sich seitenübergreifend zu Reimen. Die wenigen Worte sind Aufzählungen dessen, was die Tiere tun, wie sie sich fortbewegen, welche Laute sie von sich geben. Eigenschaften, Charakteristika.

Das spannende Spiel mit Groß- und Kleinbuchstaben, welches uns bereits in partiell lackierten Schriftzügen auf dem vorderen Buchdeckel begegnet, legt den Fokus auf das Wesentliche dieser überschaubaren Wortzahl. Kriechen, krabbeln, zirpen, singen, stinken – diese Worte fallen, durchweg in Großbuchstaben, sofort ins Auge. Weitere Satzglieder sind klein geschrieben. Sie verbinden die Wortreihen zu kurzen Versen. Mit der abschließenden Aufforderung, selbst auf Insektenbeobachtung zu gehen.

Herausgezoomt: Krabbeltiere im Garten

Doch bevor es wirklich nach draußen geht, in die Natur, dürfen kleine und große Insektenfreunde auf der vorletzten Buchseite alle zuvor bestaunten Tiere suchen. Hier sind die Szenen, die vorher durch Käferaugen betrachtet wurden, in einem Gartenbild miteinander verbunden.  
Und wer nicht nur beobachten möchte, sondern auch wissen will, wie die krabbeligen Fundstücke heißen, blättert eine Seite weiter. Eine Übersicht zeigt dort alle durch das Buch schwirrenden Insekten mitsamt ihrer Bezeichnung. Nicht ganz klar ist uns hier, weshalb bei einigen Tieren wie dem Schmetterling und der Libelle lediglich die Ordnung in der Klasse der Insekten  benannt ist, bei der Wanze und der Zikade die Unterordnung und bei anderen wie dem Rüsselkäfer die Familie in der Ordnung der Käfer, beim Goldauge ebenfalls die Familie in der Ordnung der Netzflügler und beim Seidenspinner die Art in der Ordnung der Schmetterlinge vermerkt ist. Mit der Spinne ist gar eine weitere Klasse neben den Insekten vertreten.

Einladung zur Insektensuche in der Natur

„Insekten: Das große Summen“ ist ein in Wort und Bild ganz besonderes Kinderbuch, das uns in die Welt der kleinsten Tiere mitnimmt. Angela Diterlizzi und Brendan Wenzel gelingt es auf wunderbare Weise, die Vielfalt, Besonderheit und Schönheit dieser Lebewesen herauszuarbeiten. Und neugierig zu machen. Auf weitere Krabbel- und Flügeltiere. Auf eigene Entdeckungen.

Hier und da fliegt in unserem Garten noch eine Biene von Blüte zu Blüte, auf der Suche nach letzten Nektartropfen. Dort krabbelt noch eine Spinne über ihr kunstvoll gewebtes Netz. Drüben flattert ein Falter durch den Wind. Und auch wenn sich die Ruhepause der Natur in den kühleren Jahreszeiten sehr deutlich ankündigt, gibt es noch so einiges zu entdecken. Für all diejenigen, die hinsehen.

Titel: Insekten: Das große Summen
Urheber: Angela Diterlizzi (Autorin), Brendan Wenzel (Illustrator)
Altersempfehlung: ab 3 Jahren
Umfang: Hardcover, 32 Seiten
Maße: 285 mm x 220 mm
Herausgeber: Verlag arsEdition
Veröffentlichung: 18. März 2019
ISBN: 978-3-8458-3263-0
Preis: 15,00 Euro [D], 15,50 Euro [A]

Original Titel: Some Bugs
Original Verlag: Beach Lane Books (ein Imprint von Simon & Schuster Children’s Publishing Division)
Original Sprache: Englisch
Übersetzerin: Cornelia Boese

Fotos: Anja Jürges/STADT LAND WELTentdecker
Cover/Titelgrafik: Verlag arsEdition

* Für den Beitrag wurde uns ein Rezensionsexemplar des Buches „Insekten: Das große Summen“ zur Verfügung gestellt, er ist demnach Werbung. Der Text ist unbezahlt und zeigt lediglich unsere Erfahrungen und Meinung. DANKE für das schöne Buch und die unkomplizierte und herzliche Kommunikation, liebe Marlena! ♡

Weitere BUCHentdeckungen aus dem Verlag arsEdition findet ihr hier. All unsere BUCHentdeckungen sind hier gesammelt.

12 Kommentare

  1. Wie schön! So ein Buch hätte ich als Kind gebraucht. Hatte ich aber leider nicht. Deshalb habe ich bis heute ein ziemlich gestörtes Verhältnis zu Insekten. Hätte ich die Welt mal aus ihrer Perspektive gesehen, dann wäre das vielleicht ganz anders. Naja, wer weiß? Vielleicht ist ja noch nicht alles zu spät. Ich sollte es mir anschauen…
    LG Renate von Trippics

  2. Wir lieben solche Bücher und hatten auch so ein ähnlich abstrakt angehauchtes Exemplar auf unserem Blog vorgestellt. Meine Kinder mögen es genau deshalb wirklich gern! Die Vorstellungskraft wird dadurch gut angeregt.
    Liebe Grüße, Tanja

  3. Liebe Anja,
    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Groß und Klein durch dieses Buch animiert werden, den Blick im Garten oder generell draußen noch einmal gezielter auf kleine Lebewesen oder die Strukturen von Pflanzen zu richten. Anfangs musste ich natürlich unweigerlich an „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ denken – den fand ich als Kind auch richtig faszinierend, weil man Insekten, Käfer und Gras so „nah“ gesehen hat.
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

  4. Da muss ich automatisch an den Film „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ denken . Die sind damals auch durch das für sie überdimensional hohe Gras gelaufen und dabei einigen Insekten begegnet. Den Perspektivenwechsel fand ich schon im Film sehr interessant, deshalb kann das Buch auch nur gut sein! Danke für den Tipp!

    Liebe Grüße
    Jana

  5. Liebe Anja,

    herrlich, dass es so ein schönes Kinderbuch gibt, welches die Freude zum Entdecken der unterschiedlichen Insekten in der Natur weckt. Ich finde das so wichtig. Die Zecke wäre davon allerdings nicht mein Favorit, sie ist doch von der Sorte Tier, die ich lieber vermeide.
    Aber so ein Perspektivwechsel hat auf jeden Fall was. Danke für den wundervollen Tipp.

    Liebe Grüße
    Mo

  6. Ich bin immer wieder fasziniert, wie lebendig der Waldboden ist! Was da ao alles herumkrabbelt, wenn man genau schaut ist echt Wahnsinn! Schön wenn ein Kinderbuch den Kindern die vermeintlich ekligen Insekten etwas näher bringt. Aber qie das jetzt mit den Bezeichnungen am End eist, hab ich nicht ganz verstanden…

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