„ICH VERSUCHE RÄUME ZU ÖFFNEN, IN DENEN DIE KINDER IHRER EIGENEN BILDERWELT VERTRAUEN DÜRFEN.“ (Daniela Drescher)

Daniela Drescher im Interview zu ihrer Illustrationskunst und ihrem neuesten Bilderbuch „Bertie Pom und das große Donnerwetter“

Liebe Daniela Drescher,
inzwischen sind mehr als vierzig Ihrer Bilder- und Kinderbücher im Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus erschienen. Die Geschichten der kleinen Elfe Flirr sowie die der Wichtel Pippa und Pelle zählen zu den ersten Büchern unseres Kindes. Wie hat Ihr Weg als Illustratorin und Künstlerin begonnen?

Vielen Dank, für Ihre herzlichen Worte! Bevor ich begann Bücher zu schreiben und zu malen, arbeitete ich viele Jahre maltherapeutisch mit Kindern. Ich entwickelte eine besondere Art des „farbigen, rhythmischen Formenzeichnens“, und schrieb dafür kindgerechte Reime. Zu einigen dieser Reime malte ich für meine eigenen vier Kinder Bilder, und so entstand mein erstes Bilderbuch. Schon bald erschienen zwei weitere, und mein neuer Beruf war geboren.

„Es war alles wie ein Traum.“

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes fertiggestelltes Buch?

Das erste eigene Buch vergisst man wohl nie. Es war alles wie ein Traum. Der Anruf vom damaligen Verleger Frank Berger, dass mein Manuskript angenommen worden ist, die erste Begegnung im Verlag und dann das unbeschreibliche Glücksgefühl, das Buch in Händen halten zu dürfen.

„Für das Schreiben brauche ich Ruhe und meine tägliche Runde durch den Wald.“

Es ist offensichtlich, dass Ihnen die Natur mit all ihren kleinen und großen Wundern Inspiration für die Bilder- und Kinderbuchgeschichten und ihrer Bildlandschaften ist. Was brauchen Sie darüber hinaus für Ihre künstlerische Arbeit?

Für das Illustrieren brauche ich immer eine gute Musik-playlist (für jedes Buch hat sich eine neue ergeben) und für das Schreiben brauche ich Ruhe und meine tägliche Runde durch den Wald. Im Gehen imaginiere ich Bilder, entstehen Gedichte, Geschichten und neue Charaktere.

Gibt es bestimmte Pflanzen und Tiere, die Sie besonders gern zeichnen oder aber solche, die Sie lieber nicht zu Papier bringen möchten?

Ich male alles gerne – manches fehlt mir natürlich noch. Zum Beispiel die Tiere der Tiefsee – hier gibt es ja ganz unglaubliche Wesen….  Nicht malen würde ich wohl die Nacktschnecken. Als Gärtnerin ist mein Verhältnis nach vielen Versuchen des friedlichen Miteinanders zu diesen Tieren gestört…

„Es ist eine Art der Zwiesprache […].“

Wie entstehen Ihre Zeichnungen – von der Idee bis zum fertigen Werk?
– Gibt es vorab Skizzen oder Studien?
– Sind alle Details im Vorfeld geplant oder „ergeben“ sich auch einzelne dieser im Entstehungsprozess eines Bildes?

Manchmal skizziere ich etwas vor – das ist aber eher selten, und das fertige Bild wird dann sowieso anders. Meine Bilder entstehen ganz aus der Farbstimmung heraus, und die Motive entwickeln sich während des Malprozesses. Es ist eine Art der Zwiesprache und irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass mir im Malen etwas entgegenkommt.

Sie zeichnen nicht nur die Bilder, sondern schreiben auch die Geschichten Ihrer Kinderbücher. Was ist zuerst da – Bild oder Text?

Das große Glück dabei ist, dass ich beides  „Hand in Hand“ entstehen lassen kann. Natürlich ist manchmal der Text fertig, ehe ich mit dem Malen beginne –  meistens aber wachsen Text und Bilder sozusagen „aufeinander zu“.

„[…] was wir kennen und lieben, das beschützen wir.“

Wer mit Ihren Bilder- und Kinderbüchern aufwächst, erfährt eine Menge über die Zusammenhänge der Natur und ihre vielen tierischen und wundersamen Bewohner. Was ist Ihre Intention, was möchten Sie den Kindern mitgeben?

In den Bilderbüchern möchte ich die Kinder an eine Wahrnehmung der Natur als vielfältig bevölkerte Mitwelt heranführen. Denn was wir kennen und lieben, das beschützen wir. Mit meinen Bildern und Geschichten versuche ich Räume zu öffnen, in denen die Kinder ihrer eigenen Bilderwelt vertrauen dürfen.  

Wir kennen aus Ihren Bilder- und Kinderbüchern Ihre äußerst stimmungsvollen Aquarellzeichnungen. Nutzen Sie gelegentlich auch andere Zeichentechniken?

Nein –  ich male mit Aquarellfarben und höhe mit Buntstiften. Das hat sich für meine Bildsprache einfach bewährt.

„Einmal ist mir ein Wasserglas über das fertige Bild gekippt […].“

Ihre Zeichnungen sind Handzeichnungen – im Gegensatz zu den inzwischen verbreiteten digital erstellten Illustrationen bleibt auf dem Papier, was einmal darauf ist. Kommt es vor, dass Sie Zeichnungen kurz vor der Fertigstellung durch einen „falsch“ gesetzten Pinselstrich verwerfen müssen?

Einmal ist mir ein Wasserglas über das fertige Bild gekippt (es war ausgerechnet der Nöck in „Abenteuer mit Ungeheuer“). Aber selbst das konnte ich dann zum Glück noch retten. Ich habe ein sehr „geduldiges“ Papier, und selbst wenn ein Motiv missglückt, kann ich es doch in den meisten Fällen noch retten… Manchmal entspricht der Farbgrund nicht meinem inneren Bild. Er ist entweder zu „dicht“ oder zu dominant – dann fange ich einfach nochmal von vorne an. Das gehört dazu.

Was war Ihre bislang größte Herausforderung als Künstlerin und Illustratorin?

Definitiv die Märchen von Grimm und Andersen.

„[…] Giesbert […] gehört zur Familie.“

Haben Sie im Laufe der Zeit eines Ihrer Bücher selbst besonders ins Herz geschlossen?

Ja, das ist natürlich Giesbert – er gehört zur Familie. Auch „Abenteuer mit Ungeheuer“  ist ein Herzensbuch und nun natürlich der kleine Bertie Pom….

„Früher […] sind die Geschichten und Figuren oftmals am Küchentisch entstanden.“

Mit Ihrem am 25. August dieses Jahres vom Verlag Urachhaus herausgegebenen Kinderbuch „Bertie Pom und das große Donnerwetter“ lernen wir einen neuen zauberhaften Wicht kennen. Wie entwickeln Sie die vielfältigen Charaktere Ihrer Bücher?

Meine Arbeit ist sehr kontemplativ, und nur in dieser ruhigen Atmosphäre trauen sich all die Figuren in Erscheinung zu treten. Früher, als unsere Kinder noch klein waren, war das anders. Da sind die Geschichten und Figuren oftmals am Küchentisch entstanden. Natürlich ist der Übergang von Arbeit und Leben hier fließend und nicht zu trennen. Das ist wunderbar, aber es fordert auch. Das Imaginieren von Bildern und Figuren ist letztlich immer eine Geburt.

Das Layout im Bertie-Pom-Buch ist wieder einmal ganz besonders – Bilder fließen über eine Seite hinaus und reißen die folgende an, es gibt kreisförmig begrenzte Zeichnungen auf weißem Grund, auf dem auch einzelne Charaktere für sich allein oder mit anderen in Verbindung stehen, die Schriftfarbe der Textpassagen wechselt. Was waren besondere Herausforderungen im Entstehungsprozess dieses Buches?

Ich wollte mit diesem Bilderbuch mal etwas Neues ausprobieren und Klaus Pfeiffer vom Verlag Urachhaus hat meine Intension auf das Wunderbarste umgesetzt. Nicht nur das: Er hatte zum Beispiel auch die Idee mit den verschiedenen Schriftfarben. Klaus Pfeiffer hat das Buch mit unglaublichem Feingefühl (und ich glaube auch mit viel Freude)  gestaltet. Für mich ein ganz großer Glücksfall!

Die Buch-Reihe der Wichtel „Pippa und Pelle“ für die allerkleinsten Buchentdecker sowie die Giesbert-Reihe für ältere Kinder sind äußerst beliebt. Sind auch zum Apfelwicht Bertie Pom bereits weitere Buch-Abenteuer geplant? Und dürfen sich Ihre kleinen und großen (Vor-)Leser auch auf weitere Geschichten der anderen bereits bekannten Wichte und Elfen freuen?

Ich kann mir gut vorstellen, dass ich zu Bertie Pom irgendwann noch einmal etwas schreiben werde. Mal sehen, ob er noch ein Abenteuer erleben will….

„[…] plötzlich waren die ersten Geschichten in meinem Kopf […].“

Ihr neuestes Kinderbuch ist soeben veröffentlicht. Woran arbeiten Sie aktuell?

Im Moment schreibe ich an dem vierten Giesbert Buch. Das war nicht geplant – aber plötzlich waren die ersten Geschichten in meinem Kopf… so ist das eben…. 

„Also achten wir mit unseren Kindern auf die ganz kleinen Wunderbarkeiten in der Natur um uns herum […].“

Verraten Sie uns und unseren Lesern doch bitte zum Abschluss noch einen Trick, um auch einmal einem der zauberhaften kleinen Wichte oder einer der zartblumigen Elfen zu begegnen.

Oh, ich glaube, jeder von uns hatte irgendwann schon einmal eine Begegnung mit ihnen. Unser Verstand traut diesen Eindrücken nur viel zu wenig. Also achten wir mit unseren Kindern auf die ganz kleinen Wunderbarkeiten in der Natur um uns herum, und schon sind wir mitten drin in der Welt des kleinen Volkes.

Nun, liebe Frau Drescher, herzlichen Dank für das wunderbare Interview, für Ihre Zeit und die vielen zauberhaften Naturwelten, in welche Sie uns mit Ihren Zeichnungen und Worten eintauchen lassen.

Fotos:
Titelbild: privat; Beitragsbilder (2): Wolfgang Schmidt

* Der Beitrag kann durchaus eine werbende Wirkung vermitteln. Der Text ist jedoch unbeauftragt entstanden und unbezahlt. DANKE, liebe Daniela Drescher, für die überaus herzliche und vertrauensvolle Kommunikation. Und ein herzliches DANKE an Claudia Rehm vom Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus für die unkomplizierte Vermittlung! ♡

In unserem vorherigen Blogbeitrag könnt ihr unsere Rezension zu „Bertie Pom und das große Donnerwetter“ nachlesen.

Weitere Kinderbücher von Daniela Drescher gibt es hier zu entdecken, weitere BUCHentdeckungen aus dem Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus findet ihr hier. All unsere BUCHentdeckungen sind hier gesammelt.

6 Kommentare

  1. Hallo,
    ich wünschte ich hätte auch ein Talent für das Schreiben. Es muss schön sein, besonders für Kinder, solch tolle Werke zu erschaffen. Und wenn es nur Bilderbücher sind – auch dafür benötigt man ein gutes Gespür. Lg, Claudia

  2. Ich kenne die Bücher von Daniela Drescher bisher nur durch dich, aber vor allem das mit dem Apfelbaum ist mir gut in Erinnerung geblieben! Ist es nicht schön, wenn man sein Hobby und seine Passion zum Beruf machen kann! Zum Glück bietet uns die Natur noch so viele schöne Ideen, bin gespannt, was da noch für Bücher erscheinen werden!

    Liebe Grüße
    Jana

  3. Liebe Anja,
    spannend Euer geführtes Interview. Ich kannte Daniela Drescher vorher überhaupt nicht. Genau wie Sie brauche ich auch meine regelmäßigen Waldspaziergänge zur Inspiration und lasse mich gern von den kleinen Dingen um uns herum verzaubern. Ich fand das Interview daher sehr inspirierend und ehrlich. Deine Fragen sind sehr gut gewählt.
    Herzliche Grüße
    Vivienne

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