SO VIEL LEBEN IST IM APFELBAUM (Rezension: Bertie Pom und das große Donnerwetter)

* Ob wir die Äpfel nun endlich pflücken und vernaschen können, möchte das Kind wissen. Schließlich sind sie inzwischen schon so schön rot. Doch ein wenig müssen wir uns wohl noch gedulden. Denn die Kostprobe hat Offensichtliches bestätigt: „Sauer!“

Herbstliches Kinderbuch von Daniela Drescher: „Bertie Pom und das große Donnerwetter“

Gewiss sehnt Bertie Pom die Apfelzeit ähnlich herbei. Doch jetzt hat der kleine Apfelwicht aus Daniela Dreschers neuestem Bilderbuch „Bertie Pom und das große Donnerwetter“, herausgegeben am 25. August 2021 vom Verlag Urachhaus, erst einmal ein großes und nicht ganz ungefährliches Abenteuer vor sich. Denn ein Unwetter zieht auf und Berties Freunde müssen in Sicherheit gebracht werden. Genau wie der Apfelwicht wohnen sie nämlich im großen Apfelbaum. Nur eben nicht in einem gemütlichen Wichtelhaus im knorrigen Stamm, sondern im Nest, im Kobel, in Höhlen. Die allesamt Wind und Regen, Blitz und Donner ausgesetzt sind.

Mutig klettert Bertie Pom also bis ganz nach oben in den Baum, wo die zerzauste Krähe Albert in ihrem ähnlich zerzausten Nest ausharrt. Auf dem gemeinsamen Weg hinunter treffen sie auf das aufgeregte Eichhörnchen Tibbi, dessen Kobel kurz darauf vom Sturm hinfortgepustet wird. Und auch Friedrich, der Kauz, fühlt sich in seinem regennassen Schlafzimmer ganz und gar nicht mehr wohl. Fast unten angekommen, findet die Tierschar um den Apfelwicht den Gartenschläfer Pip im letzten Winkel seiner Höhle. Wie gut, dass in Berties warmer Wichtelstube genug Platz ist für ihn und alle seine Freunde. So kann aus der beängstigenden Situation ein gemütlicher Abend mit Spielen und Leckereien werden. Und als das große Donnerwetter vorüber ist und alle Behausungen gemeinsam repariert oder neu gebaut sind, lädt Bertie Pom zum Apfelfest unter dem Baum – natürlich dürfen dabei auch die kleinen und großen (Vor-)Leser nicht fehlen.

Neuer, liebenswerter Bilderbuch-Charakter aus der Wichtelwelt

Daniela Drescher macht uns in der stürmischen und überaus spannungsreichen Geschichte vom Apfelwicht Bertie Pom mit einem neuen Charakter aus der wundersamen Naturwelt bekannt. Und obwohl wir schon so einige Wichtel, Zwerge, Elfen und andere Wunderwesen kennenlernen durften, ist Bertie völlig einzigartig. Der liebenswerte Apfelwicht könnte es so einfach haben. Ein paar Spiele, Leckereien, Kissen und Decken, Handarbeitssachen und Bauklötze herbeigeholt und schon wäre alles bereit für einen geselligen Abend mit seinen kleinen Mitbewohnern im warmen Wichtelhaus. Mit Raupen, Käfern und Faltern, Schnecken, Fliegen und Spinnen. Doch als der Dachs Erwin ihn vor dem Unwetter warnt, denkt Bertie sofort an seine tierischen Freunde, die es weniger gemütlich haben. Selbstlos nimmt er die abenteuerliche Klettertour durch den Apfelbaum auf sich, um sie zu retten.

Spannende Tierrettung bei Wind und Wetter

Schafft er es, seine Freunde rechtzeitig in sein Haus zu holen? Diese Frage steht beim Lesen im Raum. Denn Sturm und Regen peitschen schon so wild durch die Äste des Baumes, dass Zipfelmützenzipfel waagerecht wehen, Fliegen sich an Zweiglein klammern, eine Spinne am zarten Faden durch die Luft wirbelt und ein Käfer unter einem Pilzhut ein trockenes Plätzchen sucht.

Mit einer ordentlichen Portion Spannung, aber ohne dabei Ängste zu schüren, erzählt Daniela Drescher von der turbulenten Rettungsaktion. Und von der Zufriedenheit, schließlich alle in der sicheren, trockenen Wichtelwohnung zu wissen. Vom Glück, geholfen zu haben. Und unversehrt beisammen zu sein.

Ganz nebenbei erfahren kleine und große Wichtelfreunde, wie einige der bei uns heimischen Tiere wohnen, welche Pflanzen auf einer Wiese rund um einen Apfelbaum wachsen. Und wie viel Leben in einem einzigen Baum sein kann.

Kindgerechte Sprache malt Bilder in den Kopf

Die Textpassagen sind überschaubar, die Sprache ist kindgerecht, bildhaft und lautmalerisch. Mit ihren feinfühligen Worten berührt Daniela Drescher Sinne und Herz.  

Aufwendig gestaltetes, lebendiges Layout

Raffiniert ist zudem die farbliche Gestaltung des Textes. Die Schriftfarbe wechselt von Seite zu Seite und steht dabei in Beziehung zur Farbstimmung der Zeichnungen. Plötzlich ist der Text mehr als nur die Geschichte. Er ist gestalterisches Mittel und fügt sich wunderbar in die besondere Gesamtgestaltung des Bilderbuches ein.

Das Layout ist geprägt von bunter Vielfalt. Bilder fließen über eine Seite hinaus und reißen die folgende an, es gibt kreisförmig begrenzte Zeichnungen auf weißem Grund, auf dem auch einzelne Charaktere für sich allein oder mit anderen in Verbindung stehen. Neu und frisch und äußerst lebendig mutet die Seitengestaltung an. Überaus passend zur farbenreichen, wilden, stürmischen Jahreszeit Herbst.

Selbst durch die Titel-Typografie hat der Herbstwind geweht. So stehen einige der Buchstaben in Schieflage, Berties großes B ist nach links gekippt. Andere Buchstaben sind ein wenig nach oben oder nach unten gerutscht. Jedoch so dezent, dass es mitnichten übertrieben daherkommt. Lediglich eine Ahnung lässt der Schriftzug auf das bevorstehende Wetter zu.

Ein Schriftzug jedoch mag sich in unseren Augen nicht ganz in das farbenprächtige und vor Leben wimmelnde, doppelseitige Bild der letzten Buchseiten fügen. „Herzlich willkommen“ steht in geradlinigen Lettern auf einem gezeichneten Holzschild und lädt Berties Gäste zum Apfelfest. Die Gestaltung der Buchstaben steht an dieser Stelle im Gegensatz zu den naturnahen Darstellungen mit ihren weichen, geschwungenen, fließenden Linien.

Kunstvolle, detailreiche Aquarelle erzählen eigene Geschichten

Die stimmungsvollen Aquarellzeichnungen zeigen detailreich die Welt, die wir bei einem Nachmittag im Garten, bei einem Wald- oder Wiesenspaziergang entdecken können. Naturrealistisch sind Pflanzen und Tiere zu erkennen. Und in jedem Bild ist ein Hauch von Wunder. Der auf zauberhafte Weise die Fantasie anspricht.

Jede Zeichnung ist ein kleines Kunstwerk. Auf jeder Seite gibt es so viel zu entdecken, dass sich das Auge in kleinen gezeichneten Geschichten verliert. Die behagliche Wichtelwohnung ist so liebevoll „eingerichtet“, dass wir uns dort beim nächsten Gewitter am liebsten ebenfalls einquartieren würden. Neben dem Bett mit bauschigbunten Kissen und Decken, dem wärmenden Ofen und der mit Köstlichkeiten aus der Natur gefüllten Speisekammer haben Berties klitzekleine Freunde hier besondere Plätze. Ein Käfer schlummert in einer halben Walnussschale, wiegend mit einem Fädchen über Berties Bett befestigt. Die Spinne webt ihr prächtiges Netz von Balken zu Balken. Eine Fliege sitzt mit winzigem Löffelchen mit ihrem Wichtelfreund am Frühstückstisch und wartet auf einen Happen Haferbrei, eine andere kullert eine leuchtendrote Hagebutte über den holzbraunen Fußboden. Auf einer kleinen Schaukel baumelt eine Raupe über der Eingangstür. Überall krabbelt, kriecht, flattert und wimmelt es. Schon auf dem Vorsatzpapier lernen wir sie äpfelknabbernd kennen: Rüsselchen, Krabbelfuß, Pünktchen und ihre Verwandten, die Bertie Pom durch die Geschichte begleiten.

Apfelwicht zum Gernhaben. Unbedingt.

Ebenso fein und ausdrucksstark gestaltet wie diese kleinsten Charaktere des Buches ist auch Bertie. Er ist wie seine Wohnung, gemütlich. Mit kullerrundem Bauch in weißem Leinenhemd und dunkelbrauner Latzhose. Heraus schauen dünne, stoppelhaarige Beinchen, mit einem großen Schuh an jedem Ende. Eigenwillig kringeln die Schnürsenkel herum. Genau wie Berties Haare, die kreuz und quer unter seiner braunen Zipfelmütze hervorlugen. Spitze Wichtelohren streben zu beiden Seiten weg vom Kopf. Und seine Wangen und die knubbelige Wichtelnase, na klar, sind ähnlich rot wie die Äpfel im großen Baum. So stapft er, liebenswert und staunend, durch dieses zauberhafte Abenteuer. 

Ein wunderbar herbstliches Bilderbuch über Freundschaft, Hilfsbereitschaft und wohltuendes Beisammensein, das große Ängste vor großem Donnerwetter ganz klein werden lässt.

Der kleine Apfelwicht in unserem Garten hat inzwischen alle Hände voll zu tun – denn die ersten Äpfel sind saftigsüß und warten rotbäckig darauf, gepflückt zu werden.

Titel: Bertie Pom und das große Donnerwetter
Urheber: Daniela Drescher
Altersempfehlung: ab 3 Jahren
Umfang: 24 Seiten, gebunden
Maße: 23 x 20,8 cm
Herausgeber: Verlag Urachhaus
Veröffentlichung: 1. Auflage 25. August 2021
ISBN: 978-3-8251-5284-0
Preis: 16,00 Euro

Fotos: Anja Jürges/STADT LAND WELTentdecker
Cover/Titelgrafik: Verlag Urachhaus

* Für den Beitrag wurde uns ein Rezensionsexemplar des Buches „Bertie Pom und das große Donnerwetter“ zur Verfügung gestellt, er ist demnach Werbung. Der Text ist unbezahlt und zeigt lediglich unsere Erfahrungen und Meinung. Ein herzliches DANKE für das schöne Buch und, an Claudia Rehm, für die unkomplizierte und herzliche Kommunikation! ♡

In unserem nächsten Blogbeitrag am kommenden Sonntag beantwortet uns Daniela Drescher einige Fragen zu ihrer Illustrationskunst und ihrem neuesten Kinderbuch „Bertie Pom und das große Donnerwetter“.

Weitere Kinderbücher von Daniela Drescher gibt es hier zu entdecken, weitere BUCHentdeckungen aus dem Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus findet ihr hier. All unsere BUCHentdeckungen sind hier gesammelt.

11 Kommentare

  1. Das scheint wieder eine sehr schöne Geschichte zu sein, die zum Erzählen anregt! Als ich ein Kind war, hatten wir auch einen Apfelbaum im Garten, leider hatte da kein Wichtel drin gewohnt! Zumindest hatte ich keinen bemerkt! Aber als ich in deiner bilderreichen Beschreibung von dem Pilzhut gelesen habe, musste ich gleich an die Pilzhäuser denken, die meine Mutter damals immer gemalt hatte! Mit Türen und Fenster und Fliegenpilzhut! Aber ich schweife gerade vom Thema ab: Die Geschickte klingt spannend und toll zugleich! Da würde ich gern mal durchblättern!

    Liebe Grüße
    Jana

    • Liebe Jana,
      danke, dass du diese wundervollen Erinnerungen mit uns teilst.
      Und Bertie Pom könnte allein aufgrund der vielen Details, die es zu entdecken gibt, etwas für deine kleinen Patienten sein.
      Herzliche Grüße
      Anja

  2. Wir lieben ja Kinderbücher und dieses klingt aber wirklich richtig schön und ich bin ganz neugierig wie es im Buch drinnen aussieht. Es ist auf jeden Fall mega interessant was in der Natur bzw in den Bäumen so lebt.
    Ich kann euch da noch das Buch „Ein Baum für Tomti“ empfehlen, da ist auch ein kleiner Kobold bzw Baumgeist der einen neuen Baum als zuhause braucht. Ist ab 8 Jahren, aber zum vorlesen bestimmt auch schon eher.

    • Liebe Sina,
      hab Dank für die Empfehlung, das schauen wir uns gern einmal an.
      Und wie schön, dass dich die Buchvorstellung neugierig gemacht hat auf Bertie Poms Abenteuer – wir wünschen euch viel Freude beim Entdecken.
      Herzliche Grüße
      Anja

  3. Pingback:"ICH VERSUCHE RÄUME ZU ÖFFNEN, IN DENEN DIE KINDER IHRER EIGENEN BILDERWELT VERTRAUEN DÜRFEN." (Daniela Drescher) - STADT LAND WELTentdecker

  4. Die Geschite klingt ja wirklich niedlich! Alle spielen zusammen in Apfelwichtels Wohnstube. Ich finde es so schade, dass ich keine Kinder im Familien- oder Freundeskreis habe, die ich mit den tollen Büchern, die du hier vorstellst, beschenken kann. Hätte ich eigene Kinder, würde ich vermutlich auch jede Woche ein neues BUch kaufen und ihnen vorlesen.

  5. Hi Anja,
    was für ein schönes Kinderbuch!
    Ich finde es immer super wenn Kindern auf eine so ansprechende Art und Weise etwas über die Natur und die hier heimischen Tiere beigebracht wird.
    Nicht nur die Geschichte klingt sehr schön, nein auch die Grafiken wurden für Kinder sehr ansprechend gezeichnet.
    LG
    Stephan

  6. Ich mag so gerne richtig schön gestaltete Kinderbücher. Einfach so zum Durchblättern. Und das, obwohl ich selbst keine Kinder habe, und es in meinem engeren Umfeld auch keine gibt. Ein bisschen bleibt man halt doch immer Kind. Deine Rezension finde ich jedenfalls sehr anregend. Macht Lust auf mehr rund ums Apfelbäumchen.
    LG Renate von Trippics

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