WAS WÜNSCHT SICH EINE PUPPE ZU WEIHNACHTEN? (Rezension: Holly und Ivy – Eine Weihnachtsgeschichte)

* Es ist dunkel draußen, als wir am Fenster stehen und unsere Weihnachtswünsche in die Nacht flüstern. Denn zu dieser Zeit ist er mit seinem Rentierschlitten am Himmel unterwegs, der Weihnachtsmann. Um die Wünsche der Kinder einzusammeln. Und vielleicht ja auch die der Erwachsenen.

Im Kinderbuch „Holly und Ivy – Eine Weihnachtsgeschichte“, herausgegeben vom Verlag Urachhaus, hört der Weihnachtsmann sogar die Wünsche der Puppen, Kuscheltiere und anderen Spielzeuge eines Spielwarenladens. So scheint es. Sie alle hoffen und warten nämlich darauf, verpackt in buntem Papier unter dem Weihnachtsbaum zu landen. Doch für die hübsche Weihnachtspuppe Holly, die sich nichts sehnlicher wünscht als einem kleinen Mädchen zu gehören, könnte es bereits zu spät sein. Denn erst am Vortag des Heiligen Abends bekommt sie ihren Platz im Schaufenster des Lädchens.

Wie drei Weihnachtswünsche zueinander finden

Margaret Rumer Godden und Maren Briswalter erzählen in Wort und Bild die rührende und wundersame Geschichte vom Weihnachtswunsch einer Puppe. Vom Wunsch eines kleinen Waisenmädchens. Von den Sehnsüchten einer jungen Frau. Und davon, wie all diese Wünsche am Weihnachtsfest zueinander finden.

Ivy ist ein Waisenmädchen. Das St. Agnes-Heim, in dem sie lebt, ist leer – alle anderen Kinder sind ihren Weihnachts-Einladungen zu freundlichen Familien gefolgt. Ivy aber soll das Weihnachtsfest im Säuglingsheim verbringen, denn anderswo gibt es über die Feiertage keine Betreuung für sie. Doch sie ist bereits sechs Jahre alt und hat andere Pläne.

Das Mädchen möchte seine Großmutter besuchen. Eine Großmutter, die das familienlose Kind nicht hat. Dennoch ist Ivy fest davon überzeugt, sie zu finden. Von der Begegnung hat sie klare Vorstellungen: Eine Puppe würde unter dem Weihnachtsbaum liegen, denn die würde die Leere in ihrem Inneren füllen, welche sie immer wieder verspürt.

So verlässt Ivy den Zug kurzerhand nicht am Säuglingsheim, sondern bereits in Aylesbury. Wo sie plötzlich auf sich allein gestellt ist. Und konfrontiert mit der beängstigenden Situation ohne Schlafplatz in der Fremde, hungrig und frierend. Doch der Wunsch des Mädchens nach einer Großmutter, die ihr am Weihnachtstag eine Puppe schenkt, ist so stark, dass Ivy sich auf die Suche begibt. Und schließlich beides findet. Mit ganz viel Wunder und Fügung, wie es sie nur im Zauber des Weihnachtsfestes geben mag.

Weihnachtsmärchen zum Miterleben

Stimmungsvoll ausgeschmückt und dicht an Ereignissen erzählt Margaret Rumer Godden die Geschichte der Weihnachtspuppe Holly und ihrem Weihnachtsmädchen Ivy. Die berühmte englische Erzählerin schafft es, uns mit Worten direkt an Ivys Seite zu schicken. Wir begleiten das Mädchen während der Zugfahrt nach Aylesbury. Wir folgen ihr über den bezaubernden Weihnachtsmarkt. Wir sehen ihr beim Blick in das Schaufenster des Spielzeugladens über die Schulter. Wir fühlen mit ihr – Verzweiflung und Leere, Neugier und Begeisterung, Angst und Traurigkeit. Und letztlich Freude und Erfüllung.

Während des (Vor-)Lesens fällt es nicht nur leicht, sich in Ivy zu versetzen. Gefühlt sind wir mitten in einem dieser britischen Weihnachtsmärchen, die im England der Fünfziger Jahre spielen. Kein Wunder, denn in eben dieser Zeit wurde die Geschichte erstmals veröffentlicht. Einiges mag daher etwas altbacken daherkommen – in Silberpapier gewickelte Mandarinen, Liebseinmüssen der Kinder, typische Geschlechterrollen. Doch es ist genau diese Fülle an detailliert beschriebenen Kleinigkeiten, die uns die Geschichte miterleben lässt.

Obwohl es sich bei dem im Rahmen der Rezension vorgestellten Titel um eine gekürzte Fassung, basierend auf der erstmals 1963 erschienenen Übersetzung von Ursula von Wiese, handelt, ist der Text für ein Buch mit einer Altersempfehlung für Kinder ab drei Jahren eher lang. Die Geschichte lässt sich jedoch durchaus in mehreren Etappen lesen.

Zeichnungen, die Geschichten erzählen

Obendrein gibt es während des Zuhörens auf den Doppelseiten des Kinderbuches im großen Querformat so einiges zu entdecken. Maren Briswalters Zeichnungen sind voller Leben. Anhand der Bilder können die allerkleinsten Zuhörer wunderbar die Handlung nachvollziehen. Benannte Spielzeuge sind in den Regalen des Lädchens zu erkennen, die verschiedenen Stände des Weihnachtsmarktes, die weihnachtlich geschmückten Wohnungen beim sehnsüchtigen Blick durch die Fenster.

Die Zeichnungen der in Thüringen geborenen Illustratorin sind gleichermaßen zart und ausdrucksstark. Die farbenprächtigen Bilder wirken harmonisch, die Szenen sind aufgeräumt und leicht zu begreifen. Bleibt der Blick länger, findet er Fülle. Und die ganze Geschichte.

So bilden Text und Illustrationen eine perfekte Einheit – sie beide sind geprägt von der eindrucksvoll spürbaren Stimmung. Der zauberhaften Stimmung des Weihnachtsfestes in einer längst vergangenen Zeit.

Holly und Ivy: Ein Weihnachtswunder

„Holly und Ivy – Eine Weihnachtsgeschichte“ ist eine Geschichte, die es so wohl wirklich nur Weihnachten geben kann. Eine Geschichte von der Bedeutung der Familie. Eine Geschichte von Sehnsüchten und Hoffnungen. Eine Geschichte von erfüllten Wünschen, trotz aller Widrigkeiten. Ein wundervoller Weihnachtsklassiker, der auf anrührende Weise zeigt, worum es (nicht nur) Weihnachten geht.

Titel: Holly und Ivy – Eine Weihnachtsgeschichte
Urheber: Margaret Rumer Godden (Autorin), Maren Briswalter (Illustratorin)
Altersempfehlung: ab 3 Jahren
Umfang: 32 Seiten, gebunden
Maße: 23.5 x 29 cm
Herausgeber: Verlag Urachhaus
Veröffentlichung: 9. Auflage 2020
ISBN: 978-3-8251-7573-3
Preis: 16,00 Euro

Original Titel: The Story of Holly and Ivy
Original Sprache: Englisch
Übersetzer: Ursula von Wiese
(Es handelt sich bei dem im Rahmen der Rezension vorgestellten Titel um eine gekürzte Fassung des Originals, basierend auf der erstmals 1963 erschienenen Übersetzung von Ursula von Wiese.)

Fotos: Anja Jürges/STADT LAND WELTentdecker
Cover/Titelgrafik: Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus

* Für den Beitrag wurde uns ein Rezensionsexemplar des Buches „Holly und Ivy – Eine Weihnachtsgeschichte“ zur Verfügung gestellt. Der Text ist unbezahlt und zeigt lediglich unsere Erfahrungen und Meinung. DANKE für das schöne Buch und die vertrauensvolle, unkomplizierte und herzliche Kommunikation, liebe Claudia Rehm! ♡

Weitere BUCHentdeckungen aus dem Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus findet ihr hier. All unsere BUCHentdeckungen sind hier gesammelt.

10 Kommentare

  1. Da kommt man ja richtig in Weihnachtsstimmung, wenn man das liest. Klingt total schön. Würde ich mir gerne direkt anschauen. Ich mag auch schöne Illustrationen. Wäre nach meinem Geschmack, auch wenn ich längst keine 3 mehr bin.:-)
    LG Renate von Trippics

    • Liebe Renate,
      die Illustrationen sind wirklich sehr besonders und auch die durchaus umfangreiche Geschichte ist nicht nur für kleine Menschen ganz und gar bezaubernd. Wir lesen das Buch sehr gern gemeinsam.
      Herzliche Grüße und einen angenehmen Start in das Jahr 2022.
      Anja

  2. Das klingt nach einer sehr schönen Geschichte, die definitiv ans Herz geht! Ich gehe mal davon aus, dass dieses Kinderbuch ein gutes Ende hat und jeder am Ende seinen Wunsch erfüllt bekommt! Meinen größten Wunsch hatte der Weihnachtsmann leider nicht gehört, aber vielleicht irgendwann! Das wäre schön!

    Liebe Grüße
    Jana

    • Liebe Jana,
      das Ende der Geschichte ist tatsächlich ein kleines Weihnachtswunder. Schade, dass dein Wunsch unerfüllt blieb. Ich wünsche dir von Herzen auch ein (Weihnachts-)Wunder.
      Herzliche Grüße und einen guten Start in das Jahr 2022.
      Anja

  3. Die Geschichte kenne ich noch nicht, aber sie klingt wundrschön! Beim Lesen deines Beitrags war ich sofort begeistert und habe mit dem kleinen Mädchen mitgelitten und gehofft, dass sie ein schönes Weihnachtsfest verbringen wird. Das Buch merke ich mir mal!

    Liebe Grüße,
    Diana

    • Liebe Diana,
      das Buch lässt durch den authentischen und detailvollen Schreibstil in der Tat sehr mitfühlen. Eine berührende Weihnachtsgeschichte – mit weihnachtlich wundervollem Ende.
      Herzliche Grüße und einen angenehmen Start in das Jahr 2022.
      Anja

  4. Oh, das klingt ja nach einer wundervollen Weihnachtsgeschichte, liebe Anja. Ich kannte diese nicht, finde es aber toll, dass es noch aufgelegt wird. Weißt du zufällig was genau gekürzt wurde und warum?
    Jedenfalls finde ich es schön, dass die Geschichte auch für kleine Kinder ist, auch wenn mehrere Pausen eingelegt werden müssen.

    Liebe Grüße
    Mo

  5. Liebe Anja,
    Was für eine traurige, herzzerreißende Geschichte. Ich arbeite ja viel mit Waisenkindern und kenne die Einsamkeit durch sie. Letztes Jahr wurden nahezu alle der 120 Kinder von irgendjemandem, entfernt verwandt oder bekannt, abgeholt, weil das Heim wegen Corona schließen musste. Neun Kinder blieben übrig und da flossen einige Tränen. Eines der Kinder hat auch immer eine Puppe bei sich gehabt, ihre Freundin.
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

    • Liebe Miriam,
      das ist sehr bewegend und traurig.
      Ich finde es erstaunlich, wie viel Kraft Kinder in so schwierigen Momenten aus ihren „Spiel“-Freunden schöpfen können.
      Herzliche Grüße und einen angenehmen Start in das Jahr 2022.
      Anja

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