IN JEDEM SPROSS EIN ABENTEUER (Rezension)

* Die letzten Spuren des Herbstes sind mit der Laubharke weggefegt. Hellgrün sprießen zarte Sprosse aus der frühlingsfrischen Erde und verteilen leuchtende Farbtupfer. Die Natur zaubert sich kreuz und quer durch den Garten. Und gibt jeder Jahreszeit ihren ganz eigenen Schimmer.

Der Wicht aus der Regenrinne

Mit Giesbert, dem Regenrinnen-Wicht aus Daniela Dreschers Kinderbuch „Giesbert und der Gluckerbach“, ziehen wir staunend durch diese Wunderwelt, entdecken Tiere und Pflanzen und erleben dabei allerlei Aufregendes. Nach „Giesbert in der Regentonne“ und „Giesbert hört das Gras wachsen“ gibt der Verlag Urachhaus damit ein weiteres Buch mit fröhlich-spannenden Geschichten rund um den kleinen, freundlichen Gesell heraus. Der eines regenreichen Tages von den Wassermassen aus der Regenrinne gespült wurde und über das Regenrohr in die hölzerne Tonne platschte.

Mit seinen kurzen, stoppelighaarigen Beinchen, die frech aus der grünen Latzhose lugen, schlendert er kapitelweise von einem Erlebnis zum nächsten. Giesberts auffällige Hose ist ebenso grün wie das große Frauenmantel-Blatt, das seinen Kopf bedeckt. Der putzige Wicht redet mit dem Bach und mit den Tieren. Und natürlich mit der Autorin und Illustratorin, die ihm und all den anderen Wichten, Elfen und Geistern in ihrem Haus und Garten ein Heim und mit ihren Zeichnungen gutmütige Gesichter gibt. Zu den Klängen der Natur spielt Giesbert auf seiner Flöte leise Töne. Und erzählt am Abend seinem besten Freund, Kater Munz, von seinen Abenteuern, in die er auf seinen Streifzügen durch den Garten gerät.

Abenteuer Helfen

Immer wieder ist ein Tier in Not und Giesbert hilft, wo er kann: Dem Entlein aus dem reißenden Bach und aus der Schlinge der Schlange. Dem Gartenschläfer beim Nestbau. Der Schildkröte Trudi zurück nach Hause. Mimi, dem betrübten Minischwein, nachdem es das Haus und den Garten verwüstet hatte. Dem Igel Erich, dessen Haus er beim vergnügten Sprung in das Raschellaub zerstört hatte. Und den Fledermäusen, dem Kauz, der Kröte und dem Igel, deren Wünsche er zu den Sternschnuppen schickt, weil sie allesamt viel zu beschäftigt sind, um mit Blick zum Nachthimmel auf die hellen Lichtschweife zu warten.

Wann immer Giesbert Neues entdeckt, staunt er – sein mitreißendes Staunen über die Wunder der Natur. Die er sieht und hört und riecht und spürt, weil er wirklich hinsieht und weil er lauscht, aufmerksam schnuppert und jeden seiner Schritte wach und neugierig setzt. So sieht er im Sonnenlicht glitzernde Regentropfen auf Gräsern und Blumen, über der Wasseroberfläche zu geheimer Musik tanzende blaue Libellen, den feinen Goldstaub rund um die Flügel der Falter.

Naturwunder und Naturwissen

Ganz nebenbei lernen kleine und große (Vor-)Leser dabei so einiges über die Natur. In welch kunstvollem Bau der Biber wohnt, zum Beispiel. Wie die Wasseramsel auf Nahrungssuche geht, welche Vögel im Garten leben und, dass einige Blumen erst abends ihren Zauber entfalten. Wie wohltuend Fencheltee und ein wärmendes Kirschkernkissen bei Bauchweh sind und wie viele Tiere nachts noch durch den Garten schleichen.

Das alles vermittelt Daniela Drescher auf äußerst kindgerechte, sensible Weise. Ohne zu überfordern und Ängste zu schüren. Gleichzeitg lässt sie uns träumen. Von all den wundersamen Gestalten, welche die Natur beseelen – Kraut- und Hauswichte, Graselfen und Feuergeister.

Worte für die Sinne

Daniela Dreschers Sprache berührt die Sinne.
Sie ist lautmalerisch und klangvoll – wir hören während des Lesens regelrecht die Geräusche der Natur. Unterschwellig, wie Musik aus der Ferne. Sie malt uns mit feinen Pinselstrichen zarte Bilder in den Kopf und wir riechen die Natur und die Abenteuer – die taunasse Wiese, das frisch gebackene Brot, den süßen Duft des wilden Geißblattes, die herbstfeuchte Erde.  
Kleine Gedichte, die Giesbert reimt und singt, einprägsam und harmonisch, durchziehen die Geschichten, in dunkelblauer Schrift farblich vom Haupttext abgesetzt.

Geschichte für Geschichte durch die Jahreszeiten

Kapitel für Kapitel wird es wärmer, das Grün üppiger und aus dem Frühling wird der Sommer. Der schließlich Platz macht für den farbenreichen Herbst. Die einzelnen Geschichten unterschiedlicher Länge lassen sich sowohl aufeinander aufbauend im Jahreszeitenlauf lesen als auch unabhängig voneinander – je nach Vorlieben und Aufmerksamkeitsspannen der kleinen und großen Zuhörer und Leser.

Und für diejenigen, die am Ende neugierig sind, ob es Giesbert wirklich gibt, von welcher Pflanze er sich seine grüne Kopfbedeckung gezupft hat und ob sich darunter auch Haare verbergen, beantwortet Daniela Drescher eben diese Fragen auf den letzten Buchseiten.

Naturschöne, fantasiereiche Bildwelten

Ebenso wundersam wie die Idee von Giesbert und seinen Freunden sind die Bilder, welche die Worte begleiten. Daniela Dreschers Aquarellzeichnungen sind, wie wir sie von ihr kennen: äußerst detailreich und von beeindruckender Tiefe. Die gleichermaßen naturrealistischen wie traumhaften Darstellungen zeigen uns, dass es Giesbert gibt. Wirklich.

Realität und Fantasie verschwimmen, öffnen neue Räume. In denen die Natur belebt ist, nicht nur von Tieren und Pflanzen, sondern von kleinen Wesen, die in allem ihren Zauber verbreiten. Räume, in denen Unmögliches möglich wird und kurzerhand Giraffe und Nashorn, Elefant, Flusspferd und Löwe aus dem Afrika-Buch heraus stapfen, in dem Giesbert neugierig blättert.

Thematisch dem jeweiligen Kapitel entsprechend begleiten die Seitenzahlen kleine einzeln stehende Bilder – grüne Blätter und Blüten, Falter, Bienen und Libellen, Kastanien und gar Knopf und Fingerhut. Sie sind liebevoll gestaltete Begleiter und Wegweiser. Und gemalte Verbindung zwischen Text und Illustrationen.

Liebeserklärung an die Natur

Ein in sich stimmiges und stimmungsvolles Kinderbuch, getragen von der Botschaft bedingungsloser Hilfsbereitschaft. Von Freundschaft und vom Verzeihen. Von Problemen und Lösungen. Von Angst und Mut. Und immer wieder: von den kleinen und großen Wundern der Natur.

Titel: Giesbert und der Gluckerbach
Urheber: Daniela Drescher
Altersempfehlung: ab 5 Jahren
Umfang: 96 Seiten, gebunden
Maße: 24 x 17 cm
Herausgeber: Verlag Urachhaus
Veröffentlichung: 2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-8251-5248-2
Preis: 18,00 Euro

Fotos: Anja Jürges/STADT LAND WELTentdecker
Cover/Titelgrafik: Verlag Urachhaus

* Für den Beitrag wurde uns ein Rezensionsexemplar des Buches „Giesbert und der Gluckerbach“ zur Verfügung gestellt, er ist demnach Werbung. Der Text ist unbezahlt und zeigt lediglich unsere Erfahrungen und Meinung. Ein herzliches DANKE für das schöne Buch und, an Claudia Rehm, für die unkomplizierte und herzliche Kommunikation! ♡

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14 Kommentare

  1. Alleine die Illustration des Kinderbuchs ist herzallerliebst. Besonders gut gefällt mir, dass das Buch durch die Jahreszeiten führt und Groß und Klein vieles über die Natur lernen können.

  2. Was für eine tolle Covergrafik! Der Wicht aus der Regenrinne ist ein wunderbares Buch, das ich gerne verschenken werde.
    Alles Liebe
    Annette

  3. Hallo,

    was für eine schöne Vorstellung von dem Buch. Nachdem scheint es ein sehr tolles Buch zu sein und das nicht nur für die kleinen. Die Autorin scheint ein Händchen dafür zu haben das richtig zu vermitteln. Toll das ihr diese Art findet und vorstellt.

    Liebe Grüße
    Julia

  4. Hi Anja,
    dieses Buch klingt nach einem richtig schönen Kinderbuch.
    Ich finde es super wenn den Kleinen im Rahmen einer Geschichte der Wert von Freundschaft, Hilfsbereitschaft und wie Tiere Leben nähergebracht werden.
    Auch dass die Zeichnungen so liebevoll gemacht wurden gefällt mir.
    LG
    Stephan

  5. Liebe Anja,
    Wow, mit 96 Seiten ist das ja doch ein recht großes Kinderbuch. Aber die Idee, Kinder mit verschiedenen Sinnen auf die Natur vorzubereiten und ihnen etwa beizubringen, wie der Bieber wohnt oder welche Vögel im Garten zu finden sind, finde ich ganz toll. Es ist so wichtig, dass Kinder sensibilisiert werden – und bei den Vögeln im Garten könnte ich sicher auch noch einiges lernen, damit kenne ich mich nämlich so gar nicht aus.
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

  6. Bei dir entdecke ich immer sehr interessante Kinderbücher zu spannenden Themen! Auch ich liebe die Natur und kann mir bei Bauchschmerzen nichts besseres als ein Kirschkernkissen vorstellen 🙂

    Was ich besonders toll fand, Klein Giesbert scheint ja ein sehr hilfreicher Geselle zu sein! Gute Taten schaden nie und dass dies in dem Buch vermittelt wird, gefällt mir!

    Liebe Grüße
    Jana

  7. Ich liebe solche Bücher! Als Kind fand ich Was ist Was so toll, weil man dabei so viel lernen konnte. Aber damals gab es viel zu wenige Bücher mit tollen Geschichten, die gleichzeitig noch lehrreich und interessant waren. Schön dass es da mittlerweile so viel Auswahl gibt. Das wäre auf jeden Fall ein Buch, dass ich lieben würde!

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