DIE UNBEKANNTE GEFAHR HEIßT WEIHNACHTEN (Rezension: Weihnachten im Mumintal – Nach einer Erzählung von Tove Jansson)

* Recht sonderbar benehmen sich die Menschen in der Weihnachtszeit. Einige. Viele. In der Zeit der Stille, der Liebe, der Familie hetzen sie durch die Straßen, jagen Geschenken hinterher. Jedes Jahr bedarf es einiger mehr, so scheint es. Mit enormem Aufwand kochen sie so üppig, dass die Reste die Kapazitäten jeglicher Kühlmöglichkeiten übersteigen. Und sie ziehen in Scharen in die Wälder, um sich Tannenbäume in die Häuser zu holen. Die nach wenigen Wochen oder gar Tagen wieder zum Fenster hinaus fliegen.

„Weihnachten im Mumintal“: Die unbekannte Gefahr naht

Die Muminfamilie ist zu Recht ratlos. Denn zum ersten Mal erlebt sie im Kinderbuch „Weihnachten im Mumintal – Nach einer Erzählung von Tove Jansson“ diese Merkwürdigkeit. Zeitgemäß, humorvoll und verständlich auch für jüngere Kinder ab einem Alter von vier Jahren, erzählen Cecilia Davidsson und Alex Haridi Tove Janssons weihnachtliche Mumingeschichte nach. Aus dem Schwedischen übersetzt von Birgitta Kicherer, trägt die Erzählung den ganz besonderen Charme und eigenen Stil der für ihre Muminabenteuer berühmten schwedischen Autorin. Kürzlich im aufwendig gestalteten Halbleineneinband herausgegeben vom Verlag Urachhaus, ist das Bilderbuch ein wunderbarer Begleiter in dieser verrückten Zeit.

In einer Zeit, in der die Mumins Winterschlaf halten. Normalerweise. Denn in diesem Jahr reißt sie ein aufgeregter Hemul aus ihren Träumen. Er ist in Eile, wie alle Bewohner des Mumintals, denn Weihnachten naht. Doch wer oder was ist das – Weihnachten? Fragen sich die knubbelnasigen weißen Trolle. Leider hat niemand Zeit für eine Antwort. Und so machen sie sich ihr eigenes Bild davon.

Weihnachten. Gleichermaßen geheimnisvoll wie gefährlich scheint es. Und es kommt abends. Einen Baum brauchen sie, Essen und Geschenke, um die Gefahr milde zu stimmen. So viel ist ihnen klar. Aus den aufgeschnappten Worten der Hemule, Filifjonkas und Knütte – allesamt wundersame, kleine Wesen, die aufgekratzt durch das Mumintal rennen, welches die Mumins zum ersten Mal in tiefweißem Schnee sehen.

Zwischen Staunen, Neugier und Angst tun die Mumins genau das, was an Weihnachten wirklich wichtig ist. Und sind sich schließlich einig: Irgendwer hat die Sache wohl einfach falsch verstanden.

Zwischen Neugier und Furcht: Die Mumins im Ausnahmezustand

Freunde der Mumintrolle kennen sie, diese eigene Stimmung einer jeden ihrer Geschichten. Diese leicht beklemmende Spannung zwischen Abenteuerlust und Furcht, mit genau der richtigen Portion augenzwinkerndem Humor. Cecilia Davidsson, Alex Haridi und Birgitta Kicherer gelingt es, diese von Tove Jansson geschaffene, mumintypische Atmosphäre in der gekürzten Nacherzählung zu bewahren. Während der Lektüre fiebern wir mit den zwar neugierigen, doch immer auch ängstlichen Trollen. Zugleich zaubert uns ihr naiver und vielleicht genau deshalb so angemessener Blick auf die Dinge ein Schmunzeln ins Gesicht.

Die einfache und doch so raffinierte Handlung ist voller Spannung und Witz. Leicht zu greifen selbst für die Allerkleinsten und, sofern gewünscht, zum Sinnieren für die Größeren und Großen. 

Muscheln und Angelhaken am Tannenbaum: Weihnachten in Muminmanier

Die Zeichnungen der schwedischen Illustratorin Filippa Widlund führen uns mitten in das winterliche Mumintal. Von welchem wir uns eingangs aus der Vogelperspektive ein Bild machen können. Denn wie bereits in den Vorgänger-Muminbüchern aus dem Verlag Urachhaus – „Abenteuer im Mumintal – Nach drei Erzählungen von Tove Jansson“, „Die Mumins und der unsichtbare Gast – Nach einer Erzählung von Tove Jansson“ und „Die Mumins und der letzte Drache – Nach einer Erzählung von Tove Jansson“ – gibt es auf einer der ersten Doppelseiten eine schwarz-weiße Übersichtsdarstellung des Tals. Jeweils in einer der Jahreszeit der Geschichte entsprechenden Variante. In diesem Fall also mit schneebedecktem Muminhaus. Davor ein überdimensional großes Schneepferd. Und in der Ferne die schneehügelige Insel der Hatifnatten.

Ebenfalls schwarz-weiß und in Begleitung weniger Sätze folgen Kurzporträts der Protagonisten. Passend zum Thema im Schneegestöber. Ausgestattet mit Schals und Handschuhen, Schneebälle formend und die Muminmutter mit leuchtender Kerze in der Pfote – schließlich mag Weihnachten Kerzen.

Was folgt ist reinste Farbenpracht in allerbester Muminmanier. Zwar tragen winterliche Weiß- und helle, kühle Blautöne die Stimmung. Doch mittendrin finden wir in unzähligen zauberhaften Details das kunterbunte, fantastische Muminleben. Gemusterte Wände, Teppiche, Decken. Aus dem Schnneeweiß leuchtende Schals und Handschuhe – Rot, Gelb und Blau. Knuspriggelbe Zimtschnecken, rote Beeren und Topflappen in gleicher Farbe. Und allerlei Wunder am Tannenbaum: Angelhaken, Muscheln, Handspiegel, Medaillen, Perlenketten und Schleifchen – das Beste aus dem Muminhaushalt. Für ein entspanntes Weihnachten.

Muminweihnacht: Festlich und erfrischend komisch

Auf der Grundlage der Erzählung „Julen kommer till Mumindalen“ schaffen Cecilia Davidsson, Alex Haridi und Filippa Widlund eine in Wort und Bild ganz und gar außergewöhnliche, winterliche Weihnachtsgeschichte. Erfrischend komisch und voller Weihnachtsstimmung.

Titel: Weihnachten im Mumintal – Nach einer Erzählung von Tove Jansson
Urheber: Cecilia Davidsson (Autorin), Alex Haridi (Autor), Tove Jansson (Autorin), Filippa Widlund (Illustratorin)
Altersempfehlung: ab 4 Jahren
Umfang: 38 Seiten, Halbleinen
Maße: 26 x 19.5 cm
Herausgeber: Verlag Urachhaus
Veröffentlichung: 1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-8251-5224-6
Preis: 18,00 Euro

Original Titel: Julen kommer till Mumindalen
Original Verlag: Bonnier Carlsen Bokförlag, Stockholm
Original Sprache: Schwedisch
Übersetzerin: Birgitta Kicherer

Fotos: Anja Jürges/STADT LAND WELTentdecker
Cover/Titelgrafik: Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus

* Für den Beitrag wurde uns ein Rezensionsexemplar des Buches „Weihnachten im Mumintal – Nach einer Erzählung von Tove Jansson“ zur Verfügung gestellt. Der Text ist unbezahlt und zeigt lediglich unsere Erfahrungen und Meinung. DANKE für das schöne Buch und die vertrauensvolle, unkomplizierte und herzliche Kommunikation, liebe Claudia Rehm! ♡

Weitere Abenteuer der Mumins gibt es hier zu entdecken, weitere BUCHentdeckungen aus dem Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus findet ihr hier. All unsere BUCHentdeckungen sind hier gesammelt.

8 Kommentare

  1. Liebe Anja,
    Ich bin ein großer Mumins-Fans und mag die Geschichten super gerne. Als ich noch in Norwegen gelebt habe, haben wir an Weihnachten immer das Mumin-Haus aus Lebkuchen nachgebaut. Wie schön, dass diese Weihnachts-Geschichte so gut geglückt ist und genug Humor dabei hat. Du schreibst von augenzwinkerndem Humor – verstehen Kinder das denn?
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

  2. An unserem Weihnachtsbaum gibt es zwar keine Angelhaken, dafür aber auch ein buntes Durcheinander an Dingen, die sich über die Jahre angesammelt haben! Wir finden es schön o und die Mumins scheinen da ja auch einen ähnlich verrückten Geschmack zu haben! Ich selbst kenne die kleinen Trolle bisher nur vom Sehen, aber noch keine Geschicht! Aber so ein Weihnachtsbuch ist sicher ein toller Start!

    Liebe Grüße
    Jana

    • Liebe Jana,
      euer Weihnachtsbaum würde mich auf jeden Fall mal interessieren. Ich finde es schön, wenn sich über die Jahre allerlei „Schätze“ ansammeln, die dann immer wieder bestaunt werden können.
      Herzliche Grüße
      Anja

  3. Das Buch hört sich sehr interessant an, vor allem wenn man diese gemeinsam mit den Kindern liest. Ehrlich gesagt kannte ich die „Mumins“ gar nicht – da musste ich einmal kurz die Suchmaschine anwerfen, damit ich mir was darunter vorstellen konnte.
    Vielen Dank für die Rezension des Buches, das muss ich beim nächsten Besuch im Buchladen durchblättern.

    LG Klaus

  4. Die Geschichte hört sich ja total süß an! Mal eine ganz andere Sicht auf Weihnachten, sehr phantasievoll.

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